DENKMALSCHUTZ: Schlechte Zeiten für den Holzwurm

Eine gemeinsame Kraftanstrengung rettet das Schul- und Bethaus Dretzen vor dem Verfall

DRETZEN - "Wenn jetzt nichts passiert wäre, hätte es eines Tages einen gewaltigen Knacks gegeben", ist sich Wolfgang Schwarz sicher. Der Fachmann vom Ingenieurbüro für Baustatik und Sanierungsplanung aus Treuenbrietzen (ibs) leitet die Rettung der einsturzgefährdeten Kirche in Dretzen (Dorfkirche des Monats Juli 2006). Holzwurm und Hausschwamm haben dem Gotteshaus so arg zugesetzt, dass es baupolizeilich gesperrt wurde.

Teile der Dachbalken sind regelrecht pulverisiert und müssen dringend erneuert werden. Auch am angeschlossenen Schulhaus, mit dem die kleine Kirche ein Gebäudeensemble bildet, nagt der Zahn der Zeit. Ein Zustand, mit dem sich der Dretzener Ortsbeirat und die Kirchengemeinde nicht abfinden wollten. Seit dem Spätherbst 2008 wird gebaut. Die Kirche ist eingerüstet, die Kanzel verpackt, das Gestühl ausgebaut, die Bleifenster sind eingehaust. Kunststoffbahnen bilden ein provisorisches Dach, das bald mit neuen Biberschwänzen eingedeckt wird.

Doch bis dahin haben Zimmerer und Maurer noch allerhand zu tun. "Etliche Teile der Holzkonstruktion und die Balkenköpfe müssen erneuert werden", berichtet Bauleiter Schwarz. Komplett abgetragen wurde bereits der charakteristische Glockenturm, dessen Gefache völlig aus den Fugen geraten war. Ihn rekonstruieren Zimmerer der Holzverarbeitungs GmbH "Oehnaland", bevor er wieder aufgesetzt wird und die Maurer Hand anlegen können.

Die Kältewelle hat den Zeitplan allerdings durcheinandergebracht. "Für die Verarbeitung von Kalkmörtel sind die Temperaturen noch zu niedrig. Deshalb gibt es zur Zeit eine Zwangspause", erklärt Uta Lenz von der Firma Lo-Bau aus Rogäsen als Hauptauftragnehmerin. Bis über den Sommer hinaus werden die Handwerker in Dretzen noch zu tun haben. Denn nach der Kirche geht es mit dem angrenzenden Schulteil, der heute als Gemeindehaus genutzt wird, weiter. Dort muss die Feuchtigkeit aus den Grundmauern, neue Fenster sind einzusetzen, der Innenausbau wartet.

Gestern nahmen Denkmalschützer, Ortsvorsteherin Janett Gobel sowie Sabine Haug und Siglinde Wendt vom Kirchspiel Ziesar an einer Bauberatung teil. Jutta Storch vom Landesamt für Denkmalpflege erinnerte daran, dass es nur noch eine Handvoll gleichartiger Schul- und Bethäuser in Brandenburg gebe. Gegenüber dem Landkurier sprach sie von einem "seltenen Bildungsbau", der unbedingt erhaltenswert sei.

Die Finanzierung der Rettungsmaßnahme ist nur auf der Grundlage eines Nutzungskonzeptes möglich gewesen. Nach Beendigung der Arbeiten soll im 1908 errichteten Schul- und Bethaus ein ländliches Bildungszentrum, natürlich mit angeschlossener Kirche, eingerichtet werden. Dafür unterstützt allein das Land das Projekt mit 109 000 Euro Fördermitteln aus dem Programm der integrierten ländlichen Entwicklung (ILE). Geld geben auch die Gemeinde Buckautal, die Kirche und der Denkmalschutz des Landkreises dazu. "Zur inhaltlichen Umsetzung des Konzeptes ist die Gründung eines Fördervereins geplant", teilte Ortsvorsteherin Janett Gobel mit. (Von Frank Bürstenbinder)

Märkische Allgemeine vom 04. Februar 2009

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