SANIERUNG: Eine kleine Dorfkirche als große Herausforderung

Riesdorfer kümmern sich seit Jahren um den Erhalt ihres Gotteshauses

RIESDORF - Wenn Martin Semrok in die Kirche geht, hat er schon mal einen Zollstock dabei. Gerade denkt er darüber nach, die Treppe zur Empore zu erneuern. Denn wenn die Maler ihr Werk getan haben, wäre auch diese Arbeit erledigt. Der Kirchenälteste überlegt, wo er die Zeit dafür hernimmt. Aber die alte Tür nimmt er sich noch vor, das ist schon mal sicher.

Dabei ist schon so viel geschafft worden in den vergangenen zweieinhalb Jahren. Eine kurze Zeit, bedenkt man den fortgeschrittenen Verfall des Turmes. Fotos dokumentieren die Holzschäden, der bereits Anfang der siebziger Jahre abgerissen werden sollte wie der in Werbig und sich zum Schluss nur nicht entscheiden konnte, welche Richtung er fallen soll. Kaum auszudenken, welche Schäden ein Sturm hätte anrichten können.

Aber die Riesdorfer sahen nicht tatenlos zu, wie ihre Kirche in sich zusammenfällt. "Schon als Schuljunge habe ich bei Reparaturen geholfen", erzählt Martin Semrok, der später den Beruf des Bautischlers erlernte. Und in den Siebzigern gab es bereits eine Spendenaktion. "Es waren nur zwölf Spender, aber die gaben damals viel Geld", erinnert sich der geborene Riesdorfer. Wie er opferten auch andere unzählige Wochenenden, um den Turm halbwegs zu sichern.

"Das war für die Rettung entscheidend", stellt Pfarrer Joachim Boekels fest, der das Engagement der Riesdorfer für ihr Kirche zu würdigen weiß. Die Eigenleistungen hätten ermöglicht, Rücklagen und Spendengelder als Kofinanzierung für Fördermittel zu verwenden. Die damalige Kulturministerin Johanna Wanka brachte vor zwei Jahren persönlich einen 70 000- Euro-Fördermittelscheck für den zweiten Bauabschnitt vorbei.

So wurde nach der Grundsanierung des Kirchturms das Dach neu eingedeckt und das Gebälk größtenteils erneuert. Zufällig fand man auf den herausgerissenen Brettern, die entsorgt werden sollten, eine barocke Bemalung die Sonne ist inzwischen restauriert. Fußboden, Decke, Empore kein Fleck in der Kirche, der nicht unter die Lupe genommen und wieder hergerichtet wurde. Die elektrischen Leitungen haben die Riesdorfer größtenteils in Eigenregie erneuert, ebenso die Außenanlagen. Die Stufe zur Priesterforte war gar nicht mehr zu sehen, und durch die aufgeschüttete Erde war die Feuchtigkeit ins Feldsteinmauerwerk gezogen. Im Dezember vorigen Jahres konnten der Pfarrer und der Kirchenälteste des 100-Seelen-Dorfes einen Zuschuss der Mittelbrandenburgischen Sparkasse abholen. Dazu passen gut die 4000 Euro Spendengelder. Wie die Wände der Kirche gemalert werden, steht schon fest. "Man wird die verschiedenen Bauphasen erkennen können", so der Pfarrer. Er freut sich schon auf den Festgottesdienst nach der Sanierung. Martin Semrok wird dann wie immer die Glocke läuten. Vielleicht spielt auch eines Tages die Orgel wieder: eine Baer-Orgel aus dem Jahr 1864 mit sechs Registern. Den Klang des Instrumentes, aus dem seit 30 Jahren kein Ton mehr kommt, hat er noch im Ohr. Aber eigentlich wäre ihm eine zweite Glocke noch lieber. (Von Martina Burghardt)

Märkische Allgemeine vom 05. Februar 2009

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