Die Herrin des Schlüssels

Seit 20 Jahren schließt Anneliese Stoppel täglich die Kleinzerlanger Kirche auf und zu

Die Kirche auf- und zuschließen muss Anneliese Stoppel noch von Hand. Um die Kirchenglocke in Gang zu setzen, braucht sie hingegen nur auf einen Kopf zu drücken. Seit 20 Jahren hat die 81-Jährige den Kirchendienst inne. Morgens um 8 Uhr öffnet sie das Gotteshaus, abends um 18 Uhr schließt sie es zu. Die Aufgabe hat sie von ihrer Schwiegermutter übernommen. "Einer muss sich ja kümmern", sagt die Rentnerin. Wer ihr einmal nachfolgen wird, weiß sie nicht.

Die heutige Kirche ersetzte 1896 einen kleinen Fachwerkbau. Die Saalkirche ist ein kompakter Ziegelbau auf einem Feldsteinsockel. Die Bauausführung übernahm die ortsansässige Baufirma Albert Behnfeldt, den Innenausbau der Kleinzerlanger Zimmermann Wilhelm Runge. Die Dorfkirche ist mit ihren kontrastierenden Putz- und Ziegelflächen ein Blickfang im Ort.

Das Gästebuch im Gotteshaus zeugt von vielen Besuchern aus nah und fern, darunter sogar Amerikaner, die das Angebot der offenen Kirche nutzen. Allerdings sind darunter nicht nur gern gesehene Gäste. Deshalb schließt Anneliese Stoppel die Altarkerzen in der Winterkirche ein und holt sie nur zu Gottediensten hervor. "Sonst wäre das alles weg", sagt sie. Wenn sie sieht, dass wieder sämtliche Kerzen an den Sitzreihen abgebrannt wurden oder jemand versucht hat, die Spendenbüchse aufzubrechen, gerät sie in Rage. "Ich fühle mich für die Kirche verantwortlich",sagt Anneliese Stoppel.

Viele Geschichten kann sie über das Gotteshaus erzählen. So gibt es unter dem Altar einen unterirdischen Gang, der heute allerdings zugemauert ist. Früher führte er zum Gutshaus, vermutet sie. Hinter dem Altar verbirgt sich unter Latexfarbe ein großes Wandgemälde. "Wir hoffen, dass wir es fachmännisch freilegen können", sagt Anneliese Stoppel. Auf dem Altar liegt eine weiße Decke mit einem breiten Häkelsaum. Die hat die Tochter von Urlaubern selbst angefertigt und der Gemeinde geschenkt. Unter der Empore steht die große Bronzeglocke. Die soll wieder draußen aufgestellt werden, sagt Anneliese Stoppel. Dafür ist neben der Kirche ein Glockenturm geplant.

Besonders beliebt ist die Orgel der Kirche vor allem beim Sohn des ehemaligen Rheinsberger Kantors. Das sei die beste Orgel, sage der immer. "Dann haut der in die Tasten, dass es nur so kracht", sagt Anneliese Stoppel.

Mit Vergnügen erinnert sie sich auch an einen Vorfall vor zwei Jahren. Damals protestierten die Kirchengemeinden im Zechliner Land gegen die Zusammenlegung zur Großgemeinde. Um ihren Protest sichtbar zu machen, hängten sie schwarze Fahnen vor ihre Kirchen. So auch die Kleinzerlanger. Irgendein Verantwortlicher wollte die Fahne abhängen, hatte die Rechnung aber ohne Anneliese Stoppel gemacht. "Da bin ich geflitzt. Ich war schneller und habe die Kirche zugeschlossen." Die Fahne blieb hängen.

Besondere Höhepunkte für die Kleinzerlangerin sind die Konzerte in der Kirche wie beispielsweise die Gospelkonzerte. In diesem Jahr kommen neu zugezogene Berliner mit ihrem Chor in die Kirche. "Was denken Sie, wie wir feiern können?" Bei Konzerten sei die Kirche rappelvoll. (Dagmar Simons)

Märkische Allgemeine vom 23. Mai 2009

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