KIRCHENSANIERUNG: Schlimmer als befürchtet

Zimmermänner sorgen für standfestes Kirchendach

WITTSTOCK - Dass es ziemlich schlimm aussah unterm Dach von St. Marien, ist schon seit etlichen Jahren bekannt. "Wir wussten, dass etwa 70 Prozent der Dachbalken im Bereich beider Traufen vom Schwamm befallen waren", sagte die Wittstocker Architektin Bärbel Kannenberg. Doch erst jetzt, nachdem das Dach abgedeckt ist und die Zimmermänner sich an die Arbeit gemacht haben, ist das ganze Ausmaß des Schadens sichtbar geworden. Es war noch schlimmer als befürchtet. Die Architektin ist sich sicher: Früher oder später wäre es zusammengefallen, das wäre nur eine Frage der Zeit gewesen. Und beim eingestürzten Dach wäre es nicht geblieben, auch da ist sie sich sicher.

Über den beiden Arkaden der dreischiffigen Kirche fangen Stützen die Last des riesigen Daches auf. Wenn die morschen Balkenköpfe unter dem großen Gewicht irgendwann nachgegeben hätten, wären auch die Stützen zusammengebrochen. Das Gewölbe hätte diese Last nicht bewältigen können und wäre ebenfalls zusammengebrochen.

Bärbel Kannenberg erklärt: "Man muss sich das so vorstellen", sagt sie: "Wenn ein Mensch breitbeinig dasteht, und man ihm die Füße weghaut, dann bricht er auch zusammen. So ist das im Prinzip auch bei einem Dach."

Dazu kommt es nun nicht mehr. Die Zimmermänner haben einen Teil der Balkenköpfe bereits ausgetauscht und damit die Standfestigkeit des Daches sichergestellt. Das war möglich dank der Spendenbereitschaft vieler Wittstocker, die einen Balken oder ein Stück der Dachfläche "gekauft" und damit die notwendigen Eigenmittel bereitgestellt haben, die eine Förderung der Sanierungsarbeiten erst möglich gemacht haben (MAZ berichtete). (Von Uta Köhn)

Märkische Allgemeine vom 23. Mai 2009

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