BAUEN: Voll gesperrt ab Windstärke 6

Turmspitze der Haager Kirche ist einsturzgefährdet / Geld für Sofortmaßnahme gesucht

HAAGE - Unwetter waren angesagt. Und so schauten die Haager gestern mit bangen Blicken gen Himmel und in Richtung Kirche. Wie lange wohl kann der Turm starken Winden noch widerstehen? Ein Gutachten hat der Turmspitze nämlich akute Einsturzgefahr bescheinigt. Deshalb wurde auch das Läuten der Glocken eingestellt.

"Es finden ab sofort in Haage keine Gottesdienste mehr statt. Das Risiko ist zu groß, dass etwas passiert", sagt Pfarrer Carsten Schmolke. Ein rot-weißes Flatterband sperrt nun den Bereich um den Turm ab, die gesamte Kirche ist gesperrt. Eiligst wurde auf der anderen Seite ein Weg angelegt, auf dem die Leute zu den Gräbern gelangen. Ab Windstärke 6 ist dann allerdings auch das Betreten des Friedhofs verboten. Zum Gottesdienst müssen die Haager nun nach Senzke. Auch die für den 21. Juni geplante goldene Konfirmation findet dort statt.

Entdeckt wurde der kritische Zustand des Turmes im Herbst 2008 bei der Begehung mit einem Fachmann, der in allen Kirchen im Bereich des Pfarramtes Friesack die Glockenstühle unter die Lupe nahm. Dabei fiel auf, dass Regenwasser durch Löcher im Dach eindringt und für durchnässte Balkenköpfe sorgt. Der Gemeindekirchenrat bewilligte Geld für ein Statikgutachten, das nun vorliegt. Die bittere Erkenntnis daraus: Nur der Dachschalung außen herum ist es zu verdanken, dass die Turmhaube noch steht. Sie stabilisiert die Spitze, die bei starkem Wind deutlich schwankt, wie der Statiker feststellte.

Die Liste der Mängel ist lang: Auch das Mauerwerk wird ständig durchfeuchtet. Zudem sind Ziegelsteine, die eine tragende Rolle spielen, gebrochen. Darum mussten schon Querbalken notdürftig abgestützt werden. Und damit nicht genug: Braunfäule, echter Hausschwamm und der fiese Sägeblättling, der das Kiefernkernholz angreift, gehören zu den ungebetenen Gästen in Haages Kirche.

"Am besten wäre es, die Turmhaube so schnell wie möglich herunter zu nehmen und durch ein Notdach zu ersetzen", sagt Pfarrer Schmolke. Dadurch würde das Turmbauwerk entlastet und abgedichtet. Mindestens 10 000 Euro sind für diese Rettungsaktion veranschlagt. Jedoch ist unklar, woher die Mittel dafür kommen könnten. Die Kirchengemeinde jedenfalls hat kein Geld. Darum will man jetzt an die Landeskirche und an den Kirchenkreis heran treten. "Wir sind aber in der Frage auch mit der Gemeinde im Gespräch", sagt Schmolke.

Mühlenbergs Bürgermeister Hendrik Frost und Friesacks Amtsdirektor Christian Pust kamen kurzfristig nach Haage, um sich selbst ein Bild von den Schäden zu machen. Beide sicherten zu, sich Gedanken für eine Lösung zu machen, damit das Gemeindeleben dort wieder weitergehen kann. "Die Kirche gehört einfach ins Dorf", begründete Frost.

Um das gesamte Bauwerk wieder fit für die Zukunft zu machen, sind etwa 200 000 Euro nötig. "Wir können nur hoffen, dass uns Gott gnädig ist und die Turmspitze stehen bleibt", sagt der Pfarrer. (Von Andreas Kaatz)

Märkische Allgemeine vom 27. Mai 2009

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