VEREIN: Vor dem Ende

Zur letzten Jahresversammlung des Fördervereins Rosenwinkel waren nur noch wenige Mitglieder anwesend

ROSENWINKEL - Zum Jahresende löst sich der Förderverein Rosenwinkel auf. Zur kürzlichen Jahresmitgliederversammlung für 2008 kamen lediglich Vereinsvorsitzende Elke Krebs-Köppe, Schriftführer Michael Berg, Mitglied Ralf-Günter Krebs und zwei Gäste. In den letzten zwei Jahren waren es von ehemals 24 Mitgliedern schon nur noch sechs bis sieben, die den Termin der Jahresversammlung wahrnahmen, darunter die meisten Vorstandsmitglieder.

Die Beschlussfähigkeit war diesmal jedoch nicht mehr gegeben. Auch die Schatzmeisterin fehlte, einschließlich ihres fälligen Kassenberichtes für 2008. Sie hatte sich selbst aus der Funktion und Vereinsmitgliedschaft entlassen. "Das ist unzulässig. Die Verantwortung ist damit nicht aufgehoben", kommentierte Schriftführer Berg die Situation. Der Vorstand konnte so für 2008 nicht entlastet werden.

Von dem, was am 7. Mai 2003 bei der Gründung des Vereins mit Begeisterung und rosigen Aussichten für das Dorf der Rosen begann, ist nur noch ein Scherbenhaufen. Es herrscht Enttäuschung und Frust auf Seiten des Vorstandes sowie der Noch-Mitglieder. Es sind noch 14 auf dem Papier jedenfalls. Weit weg gerückt scheinen solche Vereinsergebnisse wie die Zuordnung des ehemaligen Gutsparks zur damaligen Gemeinde Rosenwinkel, die Aktivierung des Bahnhaltepunktes Rosenwinkel einschließlich Sanierung des Wartehäuschens, die vom Verein bezahlte Rekonstruktion mehrerer Kirchenfenster, Präsentationen des Vereins in beiden Prignitzkreisen auch deutschlandweit und international. Auch wurde eine hohe fünfstellige Spendensumme aus ganz Deutschland und den USA eingeworben. An den verschiedenen örtlichen Aktivitäten beteiligten sich Mitglieder aus Rosenwinkel und der Region. Jubel und Trubel herrschte auch noch beim Fest "100 Jahre Bahnhof Rosenwinkel" am 10. September 2005 mit hunderten Gästen.

Aber danach zogen "Gewitterwolken" auf, denen Blitz und Donner folgte. Die Vereinsvorsitzende, die der Vorstand beim Bahnhofsfest zu ihrem 60. Geburtstag mit Glückwünschen und Präsenten bedachte, sah sich bald danach im Mittelpunkt harscher Kritik. Entscheidungsalleingänge, permanentes Selbstlob, zu wenig Anerkennung für die Mitglieder, so die Kritik. "Wir können das alles auch allein und besser wir wollen unter uns bleiben, keine Fremden im Dorf haben", das sollen Rosenwinkler Vereinsmitglieder gesagt haben. Ob ohne die Vorsitzende tatsächlich so viele Kontakte geknüpft worden wären und Aktivitäten stattgefunden hätten, kann heute niemand sagen. Elke Krebs-Köppe hat als Vorsitzende auf jeden Fall vielfältiges Engagement gezeigt. Immer wieder hatte die Berlinerin in den vergangenen Jahren durch ihre Hartnäckigkeit einiges erreicht.

Auf der letzten Versammlung in ihrem Heimatdorf war sie jedoch eher still. Ihr Lebensgefährte und Schriftführer Michael Berg steht schon seit rund drei Jahren buchstäblich auf den Barrikaden. Er ficht die Kämpfe im Zusammenhang mit den Kündigungen der Mitglieder und ausstehenden Mitgliedsbeiträgen bis zur Auflösung des Vereins aus.

Ein Rechtsanwaltseinsatz, Mahnbescheide und Vollstreckungen stehen noch bis zum Jahresende an. Nach Bergs Angaben haben sich die Beitragsrückstände von einer fast vierstelligen Eurosumme inzwischen auf 300 Euro reduziert. Doch trotz des unrühmlichen Endes des Fördervereins: Es gibt rund 600 Amerikaner mit dem Familiennamen "Rosenwinkel". Viele davon haben immer noch Interesse an dem kleinen Dorf in der Ostprignitz. Jüngst waren Lester und Paula Rosenwinkel aus Philadelphia im Beisein der Noch-Vereinsvorsitzenden und des Schriftführers in Rosenwinkel. Die Gäste wunderten sich über die leere Dorfstraße und die mittags geschlossene Gaststätte, wollten per Scheck eine fünfstellige Dollarsumme für Rekonstruktionsmaßnahmen der Kirche spenden. "Das wäre ein Segen für die Altarsanierung gewesen, aber bei der Vereinsperspektive konnten wir nichts mehr annehmen", so Michael Berg. (Von Hajo Nitschke)

Märkische Allgemeine vom 28. Mai 2009

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