Täuschende Schönheit

Von Steffen Göttmann

Täuschende Schönheit 

Chorin (MOZ) Der Anlass ist alles andere als erfreulich. Unter dem Titel "Denkmal in Not" wurde in der Kirche Golzow eine Ausstellung eröffnet. Eine kleine Exposition mit Fotos von Torsten Stapel. Eine Schadensdokumentation.

Jeden Tag um 18 Uhr läutet die Glocke. "Sie mahnt uns gewissermaßen, dass wir etwas tun müssen", sagt Bianka Wrensch vom Gemeindekirchenrat bei der Eröffnung der Foto-Ausstellung. "Und zwar schnell. Wir haben nicht mehr viel Zeit. Eigentlich ist es schon fünf nach zwölf", so die Golzowerin, die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates ist und am 8. August 2008 selbst in dem Gotteshaus geheiratet hat. Die Schönheit der Kirche sei leider nur äußerlicher Natur, Fassade gewissermaßen. In Wirklichkeit kracht es fast im Gebälk.

Laut Gutachten, erstellt von Susanne Bartholomé, Studentin der BTU Cottbus, im Rahmen einer Belegarbeit, weisen die Dachtragwerke des Kirchenschiffes und zum Teil des Turmes massive Schäden auf. Die Hölzer seien so marode, dass die Standfestigkeit des Dachstuhl bedroht ist, erklärt Udo Götze, Vorsitzender des kirchlichen Bauausschusses. Durch großflächige Nässeeinwirkung über Jahrzehnte seien viele Traghölzer geschädigt und organisch zerschlissen, so der Fachmann. In der Folge würden sich auch schon Schäden im Mauerwerk, wie z. B. Risse, zeigen. Zuganker unterhalb der Decke würden versagen. "Die Bestandsaufnahme hat ergeben, dass die Schäden gravierend sind."

Mit einer Reparatur allein sei es nicht mehr getan. Das Gotteshaus könne nur durch eine umfassende Rekonstruktion im Bereich des Dachtragwerkes gerettet werden. Eine Restaurierung, die nach ersten Schätzungen um die 224 000 Euro kosten wird. "Die letzte große Sanierung liegt immerhin mehr als 100 Jahre zurück", so Götze. 1894 bis 1897 war die Kirche im neugotischen Stil umgebaut worden. "Dabei hat sie im Wesentlichen ihr heutiges Aussehen erhalten", so Wrensch. Unter anderem war an der Westfassade der 63 Meter hohe Turm, heute der höchste Kirchturm im Kreis, angebaut worden.

Zu DDR-Zeiten habe es unter Pfarrer Schramm und mit Hilfe der ZBO Golzow lediglich eine Notreparatur gegeben, ergänzt Thomas Polster vom Heimatverein. Ohne diese wäre aber trotz aller Mängel das Dach wahrscheinlich schon eingefallen.

Eigentlich sollte der Dachstuhl nach der Sanierung des Anbaus 2005 realisiert werden, erinnert Pfarrerin Beatrix Spreng. "Doch dann sind wir mit diesem zweiten Bauabschnitt aus dem Förderprogramm rausgefallen." Mit dem Ergebnis, dass der Zustand immer prekärer wurde. Inzwischen seien bereits der einmalige Barockaltar, die noch intakte Sauer-Orgel und die bemalte Holzdecke in Gefahr.

Leider habe die Golzower Kirche aber trotz ihrer Schönheit und ihrer kulturhistorischen Besonderheiten keine große Lobby. Deshalb haben sich Pfarrerin, Gemeindekirchenrat und Heimatverein an den Bundestagsabgeordneten Jens Koeppen (CDU) gewandt. "Ich sehe mich als Beschleuniger", will er die Golzower unterstützen. Ein Antrag auf Förderung beim Bund sei gestellt. Die Entscheidung stehe aus.

Unabhängig vom Ausgang müssen und wollen die Golzower alle Kräfte mobilisieren, um den erforderlichen Eigenanteil zusammenzutragen. "Die Kirche muss im Dorf bleiben", sind sich die Initiatoren einig. Schließlich hat das Gotteshaus auch für das Projekt Mönchsweg eine Schlüsserolle.

Für den 5. September ist deshalb die 1. Golzower Kaffeetafel mit Konzert geplant. Ein Teil des Erlöses geht aufs Spendenkonto zur Rettung des Gotteshauses. Und auch das Gasthaus Golzow beteiligt sich an der Aktion - mit der sonntäglichen Kaffeerunde von 14 bis 16 Uhr.

Spendenkonto: Kreiskirchliche Kasse bei der Berliner Volksbank, Konto-Nr. 359 411 0004, BLZ 100 900 00, Verwendungszweck: KG Golzow II. Bauabschnitt; Führungen können unter Tel. 03334 38400 angemeldet werden

Märkische Oderzeitung vom 06. Juni 2009

   Zur Artikelübersicht