"Die Kirche im Dorf lassen"

Fotoausstellung in der Jakobikirche zum Erhalt alter Gotteshäuser

 Dr. Hans Krag und Pastor Claus-Ulrich Heinke im Gespräch
Dr. Hans Krag (links) und Pastor Claus-Ulrich Heinke im Gespräch
Foto: Genteman

Hildesheim (lug). Der Redewendung nach sollte man die Kirche im Dorf lassen. In der Realität ist es einigen Gemeinden im Landkreis jedoch kaum mehr möglich, ihre Gotteshäuser vor dem Verfall zu bewahren. Deshalb hat der Beauftragte der Citykirche St. Jacoby, Pastor Claus-Ulrich Heinke, die Ausstellung "… die Kirche im Dorf lassen" nach Hildesheim geholt. Mit der Fotodokumentation zeigt der Förderverein "Alte Dorfkirchen in Brandenburg", wie es um viele Gotteshäuser in Brandenburg bestellt ist.

Mit der Ausstellung wollte er die Hildesheimer zur Diskussion anregen: Welche Kirchen wollen wir in unserem Dorf, in unserem Stadtteil, unserer Stadt haben? Wie soll sie aussehen und welche Funktion soll sie haben?

Zur Eröffnung hielt Heinke eine Vesper in der Jacobikirche. Dabei ging er auf die gegenwärtige Entwicklung unter den Menschen ein, die sich immer mehr in die eigenen vier Wände zurückziehen. Heinke bezeichnete diesen Trend als "trügerisch", da Menschen zu Hause nicht die spirituelle Erfüllung erleben, wie in einer Kirche.

Diesen Gedanken nahm auch Dr. Hans Krag, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins, in der anschließenden Gesprächsrunde auf. Krags Erfahrungen nach sehnen sich Menschen nach einer Heimat. Deswegen seien sie an der Wiederherstellung ihrer alten Dorfkirchen interessiert. "Auch wenn die Menschen oft gar keine Bindung zur Kirche haben", erzählte Krag.

Der Verein hat bereits einige alte Feldstein-, Backstein- und Fachwerkkirchen vor dem Verfall bewahrt. Die Mitglieder kümmern sich jedoch auch um die Nutzung. So wurden zum Beispiel alte Kirchen in Dorfgemeinschaftshäuser oder Turnhallen umgebaut. Der Förderverein greift da ein, wo die Kirchengemeinden nicht mehr in der Lage sind, für den Erhalt der Kirche zu sorgen. "Die Kirchengemeinde schafft es nicht, aber wenn wir die Gemeinschaft aller im Dorf haben, dann wird was draus", sagte Krag.

Die Ausstellung "…die Kirche im Dorf lassen" ist noch bis zum 4. Juli in der Jakobikirche zu sehen. Sie ist täglich in der Zeit von 10 bis 18 Uhr, dienstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

Hildesheimer Zeitung vom 18. Juni 2009

   Zur Artikelübersicht