RELIGION: Schönheit vor Gemütlichkeit

Renovierung der Kirche St. Peter und Paul in Nauen geplant / Winterkapelle soll geöffnet werden

NAUEN - Für die älteren Gemeindemitglieder ist sie ein Heiligtum, für andere eine bauliche Verschandelung des Kirchenraumes. Die Rede ist von der Werktags- oder auch Winterkapelle in der katholischen Kirche St. Peter und Paul in Nauen. Der Raum soll im Zuge der anstehenden Renovierung nach oben und zur Seite hin geöffnet werden.

Entstanden ist die Kapelle rechter Hand des Altars im Dezember 1976. Damals wurden eine Glaswand und eine Zwischendecke eingezogen. Eine Fußbodenheizung sorgt in der kalten Jahreszeit für wohlige Wärme, wenn Pfarrer Peter Szczerbaniewicz seine Predigt vor der Kreuzigungsszene hält. Das einst durchgehende Querschiff ist seit 1976 in drei Abschnitte geteilt. Denn auch die nördliche Seitenapsis erhielt einst eine Glasabtrennung.

Die Renovierung des mehr als 100 Jahre alten Gotteshauses ist für Kirchenvorstand Diethard Sterzinsky eine gute Gelegenheit, den baulichen Missstand zu beseitigen. "Es kommt mir vor, als wenn Christus einen auf den Deckel bekommt", kritisiert er die niedrige Höhe. Vom einstigen Raumgefühl Kreuzigungsgruppe unter hohem Gewölbe ist nichts mehr vorhanden. "Es wäre sinnvoll, die Kapelle nach oben hin zu öffnen und die optische Zerstörung des Querschiffes zu beseitigen", sagt Sterzinsky und ist sich darin mit dem Pfarrer einig. "Für die gesamte Kirche wäre es ein Gewinn", sagt Szczerbaniewicz.

Eine Ansicht, die neben den Denkmalschützern auch die Kunstkommission des Bistums teilt nicht aber ein Großteil der Gemeindemitglieder. Bei ihnen überwiegt die Skepsis. "Die Kapelle hat etwas Gemütliches. Wenn Wand und Decke weg sind, dann entsteht Zirkulation und Zugluft. Es wird kühler", monierte ein Gemeindemitglied in einer Gesprächsrunde nach einem Gottesdienst und fügte hinzu: "Es geht nicht nur um Schönheit."

"Wir sind alles alte Leute", gab eine Frau zu bedenken, die fürchtet, künftig zu frieren. Wie andere hat sie einst den Bau der Kapelle mitfinanziert. Ein Mann fragte zudem: "Wer soll die Heizkosten tragen?"

Architekt Franz Hentschel versuchte, die Gemüter zu beruhigen: "Es wird keiner frieren. Es bedarf nur einer verbesserten Heizungsanlage." Nach Ansicht von Hentschel, der selbst Mitglied der katholischen Gemeinde ist, wirke die Kapelle wie ein kleiner Käfig.

Die dringend notwendige Renovierung der Kirche soll voraussichtlich im Zeitraum August/September in drei Bauabschnitten erfolgen. Dass dies nötig ist, kann man unter anderem an den Feuchtigkeitsschäden unterhalb einiger Fenster erkennen, durch die regelmäßig Regenwasser eindringt. Auch die übrigen Bereiche einschließlich Decke erhalten einen neuen Anstrich.

Darüber hinaus werden unter anderem die Betonglasfenster abgedichtet, die Elektroanlage komplettiert, die Eingangstüren aufgearbeitet und die Gewölbedecken der Seitenapsi mit einer Dämmung versehen.

Mindestens 50 000 Euro muss die Kirchengemeinde für die bevorstehenden Arbeiten aufbringen nahezu komplett aus eigener Tasche. Fördermittelanträge brachten keinen Erfolg. Aus diesem Grunde wurde die Renovierung zuletzt immer wieder verschoben. "Seit zehn Jahren haben wir es uns vorgenommen", sagt Susan Ackerschewski von der Kirchengemeinde. "Unsere Mitglieder geben schon, was sie können. Es zählt jeder Euro." Deshalb will man in den nächsten Tagen auch auf Nauener Gewerbetreibende zugehen und diese um einen finanziellen Obolus für die katholische Kirche bitten.

Pfarrer Szczerbaniewicz ist jedenfalls froh: "Endlich kann die Renovierung beginnen." Die letzte liegt mehr als 30 Jahre zurück. (Von Andreas Kaatz)

Märkische Allgemeine vom 15. Juli 2009

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