Gefährdete Schönheiten retten

Ausstellung in der Nikolaikirche Siegen 
Gemeindepfarrer Stefan König (l.) und der stellvertretende Förderkreisvorsitzende Dr. Hans Krag in der Nikolaikirche vor einer Stellwand der Fotoausstellung "Gefährdete Schönheit Dorfkirchen in Brandenburg".
Foto: gast

Siegen Ausstellung in der Nikolaikirche über vom Verfall bedrohte Gotteshäuser in Brandenburg
Manche Dorfkirche dämmert ihrem Aus entgegen; doch es gibt auch positive Entwicklungen.

gast ♦ Unter dem Motto "Gefährdete Schönheit Dorfkirchen in Brandenburg" wurde am Sonntagmorgen in der Nikolaikirche Siegen im Anschluss an den Gottesdienst vom stellv. Vorsitzenden des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, Dr. Hans Krag, eine Foto-Ausstellung eröffnet. Sie soll für die Erhaltung der vom Verfall bedrohten alten Gotteshäuser werben. Wie Dr. Krag in der Einführung in die Dokumentation mitteilte, weist das Land Berlin-Brandenburg eine Arbeitslosenrate bis zu 30 Prozent auf.

Die verarmten und klein gewordenen Gemeinden sind mit ihrem kulturellen Erbe überfordert. Die Landpfarrer kümmern sich um bis zu 15 Dörfer, es bleibt weder Zeit noch Geld, um Dorfkirchen gleichzeitig zu erhalten und zu nutzen, zumal auch noch Schäden aus Kriegszeiten und Vernachlässigung während der sozialistischen Ära repariert werden müssen. So dämmert manches Kleinod als Schandfleck des Dorfes seinem Aus entgegen.

Zwei Jahrzehnte nach der Wende sieht man heute jedoch in vielen Orten Brandenburgs positive Veränderungen. Menschen haben sich zusammengefunden, um "ihre" Kirche in Eigenleistung wieder herzurichten, nicht immer nur für sakrale Zwecke dafür sind die Gemeinden oft zu klein, sondern als Raum auch für Veranstaltungen und Begegnungen der Dorfgemeinschaft. Es bleibt aber noch viel zu tun, und in vielen Dörfern braucht es nur einen Anstoß von außen, um eine Initiative für das Herz des Dorfes ins Leben zu rufen. Dabei fehlt es dann oft am notwendigen Wissen über die Umsetzung des guten Willens und an den finanziellen Mitteln.

Dr. Hans Krag: "Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg besteht seit der Wende 1990 und zählt 500 Mitglieder. Er ist ein gemeinnütziger, überkonfessioneller Verein und hat sich zum Ziel gesetzt, den Wiederaufbau, die Erhaltung und die zweckgemäße Nutzung von Dorfkirchen zu fördern. Im Ansatz unserer Arbeit unterscheiden wir uns von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz dadurch, dass wir versuchen, die oft resignierten, überalterten Dorfgemeinschaften um das Dorfkirchenprojekt zu sammeln." Dabei gibt der Förderkreis die notwendigen Anstöße, hilft bei der Gründung lokaler Fördervereine, berät über die Möglichkeiten finanzieller Unterstützung durch staatliche oder private Institutionen, gibt konzeptionelle und bautechnische Hilfestellung und gewährt, wenn auch mit bescheidenen Mitteln, eine Anschubfinanzierung. Für diese Aktivitäten wurde der Förderkreis 2002 mit dem Denkmalpflegepreis des Landes Brandenburg ausgezeichnet. 2004 übernahm der damalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse die Schirmherrschaft des Förderkreises."

Seit Beginn seiner Arbeit hat sich der Förderkreis an der Instandsetzung von 117 Dorfkirchen finanziell beteiligt und über 600 000 Euro aufgebracht. So konnten von den 1400 Dorfkirchen, nicht nur mit Hilfe des Förderkreises, inzwischen die Hälfte saniert werden. Von den verbleibenden 700 Dorfkirchen sind etwa 200 in ihrer Substanz akut gefährdet.

Um das gesamte Sanierungswerk vollenden zu können, fehlen 500 Mill. Euro. Da die Evangelische Kirche diese Summe nicht aufbringen kann, ist der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg eine große Hilfe. Die sehenswerte Ausstellung in der Nikolaikirche vermittelt dem Betrachter an 22 Stellwänden mit insgesamt 110 großformatigen Farbfotos einen realistischen Überblick über die derzeitige Situation der erhaltenswürdigen Dorfkirchen in Berlin-Brandenburg.

"Gefährdete Schönheit Dorfkirchen in Brandenburg", Nikolaikirche Siegen, bis 13. September, montags bis freitags 10 bis 18 Uhr, sonntags 10 bis 12 Uhr.

Siegener Zeitung vom 25. August 2009

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