Zum Jubiläum eine Schönheitskur

Von Anke Beißer

Zum Jubiläum eine Schönheitskur 
Noch versteckt: Die Sanierung der Kirche in Kienbaum ist abgeschlossen, die Hüllen können jetzt fallen.

Kienbaum (MOZ) Es gibt sie seit 100 Jahren, die evangelische Kirche in Kienbaum. Das soll am ersten September-Wochenende gebührend gefeiert werden. Zur Freude der Kirchengemeinde Herzfelde/Rehfelde, zu der Kienbaum gehört, wurde der Bau in den zurückliegenden Monaten unter Kontrolle der Denkmalschutzbehörde einer Schönheitskur unterzogen.

Donnerstag war Bauabnahme. Nun soll das Gerüst verschwinden und den Blick auf die sanierte Kirche freigeben. Ins Auge fällt dann nicht nur das schöne rote Dach, das den Schutz für die kostbaren Holzdecken im Inneren der Kirche bietet. "Das Dach war nun mal sehr alt. Jetzt haben wir die Sanierung vor einem Schadensfall geschafft", sagt Pfarrer Jens Greulich zufrieden.

Zudem wurde die Fassade gereinigt, kaputter Putz erneuert und die Steine im Sockel neu verfugt. Auch die Uhr erstrahlt in neuem Glanz. "Kurt Kothe hat sie all die Jahre so gut gepflegt, dass es nur beim Anstrich blieb. Ansonsten ist die Uhr intakt", lobt Greulich das Engagement des Kienbaumers. Ohnehin kümmerte sich die ganze Familie Kothe sehr rührend um das Gotteshaus.

Wer die Kirche betritt, kann dies nun über eine neue Treppe tun. Und wer sich das Gebäude im Detail anschaut, wird unterhalb des Turmes, schräg über der prächtigen, mit schmiedeeisernen Beschlägen versehenen, grünen Holz-Eingangstür einen Wasserspeier entdecken. Das Schmuckelement in Form eines Drachens war irgendwann abgestürzt, wurde von den Kienbaumern über Jahrzehnte aufbewahrt und kann nun, frisch aufgearbeitet, wieder das Bauwerk zieren.

Jetzt, da nur noch die Treppe am Nebeneingang fehlt - kann alles für das Fest vorbereitet werden. So ist für diesen Sonnabend ein Arbeitseinsatz geplant, sollen die letzten Spuren der Bauarbeiten auf der Grünfläche rund um die Kirche verschwinden.

Für kommenden Freitag steht, ab 18 Uhr, eine Abendandacht auf dem Programm mit anschließendem Empfang. Sonnabend wird, ab 10.30 Uhr, ein Festgottesdienst gefeiert. Nach dem Mittagessen, ab 12 Uhr, beginnt um 13 Uhr das Programm für die Kinder, Orgelmusik in der Kirche, Führungen durch den Ort und das Gotteshaus. Um 15.30 Uhr will der Kageler Chor ein Konzert geben, bevor der Festtag, um 17.30 Uhr, mit einer Andacht in der Kirche seinen Abschluss findet.

Für den Sonnabend wird, laut Pfarrer Greulich, übrigens mit hohem Besuch gerechnet - Kaiserin Auguste Victoria hat sich angekündigt. Sie war es, die sich vor 100 Jahren für den Bau der Kirche stark gemacht hat. Ob sie der Einweihung 1909 beigewohnt hat, ist indes nicht bekannt. Ebenso wenig weiß man über die Vorgeschichte des Gotteshauses. Greulich geht davon aus, dass es in dem einstigen Klosterdorf seit dem 16. Jahrhundert wechselnde Domizile gegeben hat. Belege, wie die Vorgängerbauten aussahen, gibt es nicht. Die Legende besage, so der 45-Jährige, der seit 1998 Pfarrer von Kienbaum ist, dass dem Bediensteten eines Hofmarschalls aufgefallen sei, dass es kein Glockengeläut gibt. So sei er auf die marode oder gar ausgebrannte Kirche gestoßen. Womöglich sei sie wirklich einem Brand zum Opfer gefallen - ein Schicksal, das damals, oft sogar mutwillig herbeigeführt, viele Bauwerke teilten. Gleich neben der Kirche erinnert ein Denkmal mit einem Roten Hahn und der Inschrift Gerhart Hauptmann an eines seiner Werke, in dem der Literat Brandstiftungen und Versicherungsbetrüge in der Zeit um die damalige Jahrhundertwende zum Gegenstand gemacht hat.

Was vor 100 Jahren in Kienbaum passiert ist, lässt sich kaum mehr herausfinden. In die Archive der Gegenwart aber werden sicher Fotos und Beschreibungen von der feierlichen Einweihung nach der diesjährigen Sanierung eingehen. Dort wird auch nachzulesen sein, dass sich die 35 Kienbaumer Protestanten das alles wohl kaum hätten leisten können. Es ist ein Werk der gesamten Kirchengemeinde Herzfelde/Rehfelde.

Märkische Oderzeitung vom 28. August 2009

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