Wie ein Kuchen nach Sosa kommt

Von Ruth Buder

 

Neulietzegöricke (off) Seit drei Jahren bäckt Inge Borkenhagen ihren leckeren Mohn-Schmand-Kuchen. Auf Dorffesten ist er der Renner, aber auch bei interessierten Besuchern der Dorfkirche von Neulietzegöricke. Denn engagierte Einwohner, wie das Ehepaar Borkenhagen, führen Touristen durch ihre Kirche, um sie zu Spenden zu animieren und bewirten sie mit einer kleinen Kaffeetafel.

"Das Rezept für den Spezialkuchen habe ich von einer Freundin", erzählt die Rentnerin. Ihre süße Leckerei erfuhr am vergangenen Dienstag eine ganz besondere Anerkennung durch einen Touristen aus dem Erzgebirge. Und das verschlug der leidenschaftlichen Hobbybäckerin fast die Sprache.

"Ein Mann fragte mich, ob er sich die Kirche anschauen dürfe", erzählte Eckhard Borkenhagen. "Ich bot ihm auch von unserem Kuchen an, was er höflich ablehnte." Als seine Frau dem Besucher jedoch erklärte, dass es sich um einen speziellen Kuchen handle, aß der Unbekannte davon. "Er schaute mich an und sagte, dass der Kuchen hervorragend sei und er mir das Rezept abkaufen wolle", so Inge Borkenhagen. "Ich entgegnete, er müsse das Rezept nicht kaufen." Der Mann sei überglücklich gewesen, als er die Backanleitung in seinen Händen hielt, erzählte Eckhard Borkenhagen. "Dann zückte er einen großen Geldschein, den er für das Rezept und die Kirche spendete", so der Rentner. "Dafür wollte er noch nicht einmal eine Spendenquittung", sagte seine Frau. "Ich war einfach baff. So etwas habe ich nicht erwartet und auch zuerst nicht verstanden."

Erst als der Unbekannte erklärte, dass er Bernd Weigel heiße, Bäckermeister sei und in Sosa im Erzgebirge eine Bäckerei führe, wurde dem Ehepaar Borkenhagen klar, warum der Besucher das Rezept kaufen wollte. "Für mich ist das die schönste Anerkennung für meine Backkünste, wenn sogar ein Bäckermeister meinen Mohn-Schmand-Kuchen toll findet", sagte Inge Borkenhagen stolz.

Auf MOZ-Anfrage erklärte der Konditormeister Bernd Weigel, dass er immer auf der Suche nach neuen Rezepten sei. "Außerdem war ich sehr angetan von dem Bemühen der Menschen aus Neulietzegöricke um den Erhalt ihrer Kirche." Den Mohn-Schmand-Kuchen wolle er vielleicht in sein Sortiment aufnehmen.

Wer von Inge Borkenhagens Naschwerk kosten möchte, kann am Tag des offenen Denkmals am 13. September nach Neulietzegöricke kommen, denn dann gibt es wieder den Mohn-Schmand-Kuchen.

Märkische Oderzeitung vom 05. September 2009

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