Späte Rückkehr der Orgelklänge

Ein lang gehegter Traum geht für die Einwohner von Fürstlich Drehna am Sonntag in Erfüllung. Nach 64 Jahren werden in der Kirche des Ortes erstmals wieder Orgelklänge ertönen. Mit einem Gottesdienst wird die aus der Hospitalkirche in Dahme umgesetzte Orgel in der Kirche des Ortes feierlich eingeweiht.

Späte Rückkehr der Orgelklänge 
In neuem Glanz erstrahlt der Orgelprospekt auf der Empore in der Kirche von Fürstlich Drehna, während Pfarrerin Reinhild Magirius, Ardo Brückner und Uwe Schulz (von links) die Schautafeln für die kleine Ausstellung zur Einweihung gestalten.
Foto: Birgit Keilbach

"Viele Freunde, Gemeindeglieder, Spender und der ganze Gemeindekirchenrat erwarten diesen Tag voller Spannung", sagt Pfarrerin Reinhild Magirius. Denn die Umsetzung der Orgel von Dahme nach Fürstlich Drehna sei ein großes Gemeinschaftsprojekt, an dessen Finanzierung sich in den vergangenen Jahren viele der heutigen und ehemaligen Einwohner des Dorfes, Freunde und Förderer der Kirche beteiligt haben (die RUNDSCHAU berichtete).

Im Krieg beschädigt

Die Kirche war in den letzten Kriegstagen im April 1945 beschädigt worden. "Der Turm fiel in die Kirche. Der Innenraum mit seinen Emporen, der Fürstenloge, der Orgel, der Kanzel und dem Altar brannten komplett aus", blickt Ardo Brückner, Vorsitzender des Kultur- und Heimatvereins, in die Geschichte. Mit dem Wiederaufbau in den 1950er-Jahren habe die Kirche zwar eine Orgelempore erhalten, das Instrument fehlte jedoch. "Dass damals auf den Einbau von Seitenemporen verzichtet wurde, ist ein Vorteil für die Akustik in unserer Kirche", hebt er hervor. Davon könnten sich alle Besucher während der feierlichen Einweihung am Sonntag überzeugen.

In den vergangenen Wochen hat die Firma Mitteldeutscher Orgelbau A. Voigt in Bad Liebenwerda das Instrument von Dahme nach Fürstlich Drehna umgesetzt, eingebaut und klanglich an den Kirchenraum angepasst. Am 10. August nahm der Orgelsachverständige Albrecht Bönisch das 1951 von der Orgelbaufirma Sauer in Frankfurt/Oder gebaute Instrument ab. Die Orgel passe ideal zum Stil der schlichten Innengestaltung der Kirche, sagt er. "Dies gilt nicht nur für die Optik des Prospektes, der scheinbar für diesen Raum geschaffen ist, sondern auch für den Klang der Technik", so Albrecht Bönisch. Die Orgel umfasse elf klingende Register, zwei Manuale und Pedal. Das Krummhorn-Regal biete Anknüpfungspunkte an die Klangwelt der Frühbarockorgel, ist der Charakterisierung des Orgelsachverständigen zu entnehmen.

Neues Gebläse

Im Zuge der Anpassung des Instruments an den neuen Standort musste jedoch ein neues, elektrisch betriebenes Gebläse aus Holz speziell angefertigt und in die Orgel eingebaut werden. Damit hätten sich die Ausgaben für das Vorhaben von ursprünglich 24 500 Euro auf 27 000 Euro erhöht, erklärt Pfarrerin Reinhild Magirius. "Wir werden die Spenden aus der Kollekte anlässlich der Einweihung für die Deckung der Mehrausgaben verwenden", ergänzt sie.

Zur Einweihung seien alle Spender und Sponsoren eingeladen, die in den vergangenen Jahren zum Erfolg des Vorhabens beigetragen hätten, sagt die Pfarrerin. Darunter auch Pfarrer Werner Hainsch aus Göllnitz, der während der Vakanzzeit der Pfarrstelle alles dafür in die Wege geleitet und die Verträge im Jahr 2006 geschlossen hatte. "Jeder wird ein kleines Dankeschön der Gemeinde erhalten", kündigt die Pfarrerin an.

Drei Schautafeln sollen die einzelnen Phasen der Umsetzung des Instruments mit zahlreichen Fotos dokumentieren und für die Besucher am Tag des offenen Denkmals, der bewusst für die Einweihung gewählt wurde, nachvollziehbar machen.

"Wir haben schon zusätzliche Stühle organisiert und eine Lautsprecheranlage ausgeliehen, damit die Orgelklänge während des Gottesdienstes auch vor der Kirche zu hören sind, wenn die Plätze nicht ausreichen sollten", sagt Horst Reiche, einer der Kirchenältesten.

Von Birgit Keilbach

Lausitzer Rundschau vom 10. September 2009

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