DENKMALSCHUTZ: Kreuzblume kehrt zurück

Weiterer Teil der Lietzower Kirche wird bis November saniert

LIETZOW - "Seit 1996 werde ich von den Lietzowern gefragt, wann die Kreuzblume wieder auf den Kirchturm kommt", sagt Pfarrer Thomas Tutzschke und hat jetzt die Antwort parat: "Noch in diesem Jahr."

Denn unübersehbar wird seit einigen Wochen wieder an dem direkt an der B 5 gelegenen Gotteshaus gearbeitet. Schutzplanen hüllen den mittleren Teil des Turmes ein. Die Potsdamer Baudenkmalfirma Roland Schulze saniert die Fassade des so genannten Oktogons im mittleren Bereich, nachdem schon 1996 die Turmhaube des Stülerbaus rekonstruiert worden war. Einzig die zerbröselte Kreuzblume auf der Spitze in 37,70 Meter Höhe wurde noch nicht erneuert. Das soll nun nachgeholt werden.

"Wir sind glücklich, dass wir in die Fördermaßnahme aufgenommen worden sind", sagt Pfarrer Tutzschke. Denn von den knapp 160 000 Euro, die die Maßnahme kostet, werden 50 Prozent bezuschusst, die andere Hälfte sind Eigenmittel.

Und das Geld kommt gerade recht, denn die Schäden sind teils gravierend und nehmen immer mehr zu. So lösten sich in der Vergangenheit immer wieder Ziegelteile aus der Fassade und fielen nach unten. Die Gefahr, dass ganze Steine abstürzen, wurde größer. Und so sind die Arbeiter derzeit unter anderem damit beschäftigt, die kaputten Ziegel auszutauschen. Zudem erhält die Fassade entsprechend dem historischen Vorbild wieder rote Fugen.

"Das erreichen wir mit rot einfärbtem Mörtel", sagt Andreas Kitschke vom Potsdamer Architekturbüro Redlich. Wie er weiter informiert, werden außerdem die Schallluken erneuert, ebenso die Fenster in Uhrwerkshöhe. Und nicht zuletzt werden die acht kleineren Kreuzblumen rund um den Turm neu angefertigt wie schon die jetzt zerfallenen Originale aus Beton. "Das Besondere an der Kirche ist nämlich, dass alle Schmuckelemente aus Beton gefertigt wurden", sagt Kitschke. Selbst die Turmtreppe ist zur Entstehungszeit der Kirche 1863 aus diesem Material hergestellt worden aber nicht nur die. Auch bei der Turmuhr fand die damals hochmoderne Bauweise Verwendung, die jedoch auch dort nicht ewig hält. So werden die Bauleute nun die völlig verwitterten Zifferblätter durch neue ersetzen "Wagenräder" aus acht Zentimeter starkem Beton. Die Ziffern werden mit gelbem Ziegelmaterial eingelegt.

Einzig an den Zeigern mangelt es noch. Ist doch bisher unklar, wie sie einst überhaupt ausgesehen haben. So wäre Andreas Kitschke den Lietzowern oder anderen Kirchenfreunden dankbar, wenn die vielleicht ein altes Foto auftreiben könnten, auf denen die Form der Zeiger zu erkennen ist.

Bis November dieses Jahres sollen die Arbeiten an der Lietzower Kirche abgeschlossen sein. In dem Rahmen werden sich die Bauleute auch noch einmal um die Turmhaube kümmern müssen. Denn die schon im Jahre 1996 ausgewechselten Ziegel in dem Bereich haben sich in den 13 Jahren vom Aussehen her doch nicht so wie erhofft den alten Ziegeln angeglichen. "Wir werden darum noch eine farbliche Anpassung vornehmen", kündigt Architekt Kitschke an.

Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, so ist die Kirchengemeinde aber noch lange nicht am Ziel ihrer Wünsche. Denn wie Tutzschke sagt, müsse auch noch das Dach des Kirchenschiffes sowie der untere Teil der Tumfassade erneuert werden. Nicht zu vergessen der sanierungsbedürftige Innenraum. "Wir bleiben dran", betont Thomas Tutzschke. (Von Andreas Kaatz)

Märkische Allgemeine vom 07. Oktober 2009

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