Sanierungsmaßnahmen in Falkenberger Kirche notwendig

Falkenberg So hatte sich Pfarrer Andreas Bechler seine Vorbereitungen auf die anstehende Adventszeit nicht vorgestellt. Statt über die Ausgestaltung der evangelischen Kirche zu sinnieren, blickt er im Inneren des Falkenberger Gotteshauses auf einen Wust aus Stangen und Bretter. Das Schutzgerüst sollte eigentlich nur die äußeren Arbeiten am Dach absichern. Jetzt jedoch ist es auch Basis für zwingend notwendige Deckenreparaturen.

 
Direkt vor Ort sahen sich Restauratoren, Architekt, Bauherr und Vertreter der Stadt die Schäden an der Decke an.
Foto: Sven Gückel

Spätestens seit Orkan "Emma" weiß man in Falkenberg, dass Naturgewalten auch um Gotteshäuser keinen Bogen machen. Das Sturmtief, das Mitteleuropa im Winter letzen Jahres durchquerte, forderte nicht nur 14 Menschenleben, sondern verursachte Schäden, deren Summe auf mehr als eine Milliarde Euro geschätzt wird. Eingeschlossen darin ist auch die Falkenberger Kirche. Bäume, die auf ihr Dach stürzten, beschädigten nicht nur Ziegel, sondern hinterließen an der Decke des Kirchenschiffs sichtbare Spuren. Putz bröckelte ab, kleinere Risse waren vom Boden aus erkennbar. Das gesamte Ausmaß der Schäden wurde aber erst jetzt deutlich. Die Rüstung bot Experten wie dem Gutachter und Restaurator Ralf Schirrwagen aus Nexdorf Gelegenheit, sich die Decke aus unmittelbarer Nähe anzusehen. Das brachte Klarheit. "Es besteht zwingender Handlungsbedarf", sagt Bechler und lässt seinen Blick dabei nach oben schweifen. Nur wenige Augenblicke zuvor sind er, Architekt Onno Folkerts, Frank Stiehler vom Kirchenbauamt, Bürgermeister Herold Quick, Ralf Schirrwagen und Stadtverordneter Lothar Pelz auf die höchste Stufe des Gerüstes gestiegen, um sich selbst ein Bild von der Tragweite der baulichen Mängel zu machen. Was sie sahen, waren nicht nur altbekannte Risse, sondern Abspaltungen größeren Ausmaßes. Vielleicht, so die Gruppe, hätte man die erforderliche Reparatur noch etwas geschoben. Da allein das Aufstellen der Rüstung im Kircheninneren aber schon 30 000 Euro kostet, müsse man das einmal stehende Gerüst jetzt doppelt nutzen. Unklar ist, wie teuer die Arbeiten werden. Schirrwagen erhielt daher noch vor Ort den Auftrag, eine Probefläche zu bearbeiten. Anhand dieser soll ermittelt werden, mit welcher Technologie man zu Werke geht, und wie hoch sich die Gesamtkosten gestalten. Fest steht, dass sie den finanziellen Spielraum der Kirchgemeinde überschreiten werden. Vor allem Quick versprach daher, unter anderem beim Landesamt für Denkmalschutz vorzusprechen, um eventuell Fördergelder für die Maßnahme zu sichern. Auch ein Blick in die Stadtkasse wird nicht zu umgehen sein.

Etwas klarer gestaltet sich da schon er zeitliche Rahmen. Onno Folkerts machte Pfarrer Bechler wenig Hoffnung, dass das Gerüst bis Weihnachten vollständig verschwunden ist. Vielleicht, so der Herzberger, in Teilen im Chorbereich und den vorderen Bankreihen. Zusichern könne er aber nichts. Kleinere Adventsveranstaltungen, so Andreas Bechler, werde man im eigenen Gemeinderaum abhalten. Für den Gottesdienst am Heiligabend habe er bereits eine Vereinbarung mit seinem katholischen Amtskollegen Heinz Werner getroffen, diesen ab 18 Uhr in der Kirche am Hufen abzuhalten. Vakant ist hingegen die Aufführung des Weihnachtsoratoriums der Herzberger Kantorei und Musikkurse. Diese war in der beheizbaren Kirche für den 12. Dezember vorgesehen. Geklärt wird jetzt, ob als Ausweichort das Haus des Gastes in Frage kommen könnte. Das jährliche Krippenspiel möchte Pfarrer Bechler hingegen vor seiner Kirche erstmals im Freien aufführen lassen.

Die laufenden Arbeiten am Dach der 1913 erbauten Jugendstilkirche gehen planmäßig voran. Ziel sei, so Onno Folkerts, die Maßnahme bis Ende November zu beenden. Mit Hochdruck arbeiten alle Gewerke gegenwärtig daran, 1100 Quadratmeter Ziegel zu verlegen, Entwässerungsrohre und Sturmschutzmatten anzubringen. Schwierigkeit ist hierbei die Dachneigung, die mit 55 Prozent zu den steilsten auf Brandenburgs Kirchen gehört.

Von Sven Gückel

Lausitzer Rundschau vom 15. Oktober 2009

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