DENKMALSCHUTZ: Perlen reifen langsam

Der Altarraum der Dretzener Kirche wird originalgetreu restauriert

DRETZEN - Der Kaiser soll mal hier gewesen sein, vor mehr als hundert Jahren, Wilhelm der II. Den hätte es gestört, dass es im Ort keine Kirche gab. Daraufhin veranlasste er, dass das Schul- und Bethaus-Ensemble (Dorfkirche des Monats Juli 2006) gebaut wurde, so die Belziger Restauratorin Petra Durchholz. Es steht seit 1908, hat viel gesehen, zwei Kriegen, aber nicht dem Zahn der Zeit widerstanden, erzählt sie.

Die Restauration des denkmalgeschützten Ensembles neigt sich ihrem Ende entgegen. Die Arbeiten an Turm und Dach sind abgeschlossen, das Bethaus hat neue Fenster, Feuchtigkeitsschäden sind beseitigt und vieles andere mehr ist fertig.

Im Innern der Kirche wird weitergearbeitet. Petra Durchholz restauriert seit mehr als drei Wochen den originalen Altarraum. Sie ist froh, dass "hier noch nie etwas gemacht worden ist". Anderenfalls wäre es ungleich schwieriger geworden, die ursprünglichen Farben wiederzufinden. Der Grundton im Altarraum war und ist "Umbra gebrannt cyprisch", ein gedeckter Braunton, gewonnen aus natürlichen Farben. Damit ist der Altarblock selbst und der umliegende Sockel gestrichen. Der bekam in vier Arbeitsgängen einen aufgemalten Vorhang mit hübschen Schattenwürfen, Fransen und Goldpunkten zur Verzierung. Der darüber liegende Raum erstrahlt in Blau. Der Altarraumbogen bekommt mittels einer nach dem Originalmuster selbst geschnittenen Schablone ein aufgetupftes Muster, Braun auf Ocker.

Die Wandbemalung des Dretzener Kirchleins ist nicht unbedingt eine kunsthistorische Perle. Die vor 100 Jahren gewählten Farben entsprachen dem Zeitgeschmack. Aber ihre Aufarbeitung heute lässt sie langsam zu einer ganz kleinen, besonderen Perle in der Region werden.

Pünktlich zu ihrer Eigenständigkeit als Buckau-Dretzener Kirchengemeinde ab Januar wird sie ein kleines, schönes und individuelles Gotteshaus nutzen können. (hscu)

Märkische Allgemeine vom 21. Oktober 2009

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