RELIGION: Nach 888 Tagen in festlichem Glanz

Die Luckenwalder Johanniskirche ist umfangreich saniert und wieder eröffnet

LUCKENWALDE - Mit einer Abendmahlfeier am Reformationstag begann die feierliche Wiedereröffnung der Johanniskirche. Am Sonntag beim Gottesdienst reichten die Bänke und Stühle kaum aus, so groß war das Interesse am instandgesetzten Gotteshaus, in dem der Geruch von Farbe noch deutlich spürbar war.

Bis Freitagabend wurde in der Kirche eifrig gewerkelt. Die Lampen eine Sonderanfertigung aus Schöbendorf, die in Baruth verglast wurden trafen erst am Donnerstag ein und mussten noch auf Höhe gebracht werden. "Ich denke, Pfarrer Riemer hat am meisten geschwitzt, dass alles rechtzeitig fertig wird. Doch es waren gute Firmen am Werk, die alle mitgezogen haben. Es herrschte ein angenehmes Arbeitsklima, zu dem vor allem der Pfarrer beigetragen hat", sagte Architekt Matthias Reckers. Er war erstaunt, dass zum Eröffnungsgottesdienst nicht nur Vertreter der Stadt, sondern auch der Denkmalschutzbehörde kamen. Aber auch Vertreter anderer Kirchengemeinden waren dabei und überbrachten Grußworte.

Die Kirchenführung am Nachmittag übernahm nicht Pfarrer Detlev Riemer, sondern Albrecht Bönisch, Vikar in Oranienburg, der sich mit Kirchen und mittelalterlichen Baukunst gut auskennt. "Ich bin seit mehr als 20 Jahren an dieser Kirche tätig und neugierig, was ich noch über die Kirche erfahre", so Riemer.

Als erstes bat Albrecht Bönisch alle Besucher, mit vor die Kirchentür zu kommen "Eine so komplizierte Baugeschichte lässt sich am besten mit einem Rundgang um die Kirche erklären." Er wies auf das unterschiedlich farbliche Mauerwerk hin, das Hinweise auf Bauphasen und Bauzeit gibt. Er zeigte, welche Anbauten später hinzugefügt wurden und wo sich ursprünglich der Eingang der Kirche befunden haben muss. Anschließend im Innern der Kirche sagte Bönisch: "Wenn man die Kirche betritt, gelangt man nicht sofort zum Altar. Man muss von Säule zu Säule gehen, um das Haus zu erkunden." Nach Ansicht des Vikars muss es sich bei der Johanniskirche früher einmal um eine farbenprächtige Kirche mit Bildern der biblischen Geschichte gehandelt haben. Er erklärte Wand-, Decken- und Gewölbemalerei, bis er dann zum Altarraum gelangte dem wohl wichtigsten Element des Gotteshauses.

Zuvor sorgte er allerdings für Verwunderung. Er fragte in die Runde, warum der Taufstein so tief sei. Viele wussten es nicht und so erklärte er, dass die Kinder heute bei der Taufe nur mit Wasser übergossen werden, früher hingegen wurden sie regelrecht untergetaucht.

Was die meisten ebenfalls nicht wussten, dass dem Johannis der über 500 Jahren alten Figur vom Altar ein anderer Kopf aufgesetzt wurde. "Ich weiß nicht genau, um welchen heiligen Kopf es sich handelt, aber es ist nicht der von Johannis, dem Täufer", so Bönisch, der mit den Besucher zum Abschluss der Führung ein Lied sang. Musikalisch endete der Sonntag dann auch in der Johanniskirche mit einem Konzert der Potsdamer Turmbläser unter Leitung von Bernhard Bosecker. Mit festlicher Bläsermusik aus mehreren Jahrhunderten begeisterten er und seine Mitstreiter das Publikum.

"Ich bin vor 50 Jahren von Luckenwalde weggezogen und wohne seitdem in Berlin. Als ich gehört habe, dass es eine Führung in der sanierten Kirche gibt, habe ich mich gleich auf den Weg gemacht", sagte Erika Jäger. Dass sie in Berlin den Zug verpasst hat und eine Stunde warten musste, hat sie dafür in Kauf genommen. "Ich habe noch nie eine solch interessante Kirchenführung erlebt", so die Berlinerin, die sich auch das Konzert nicht entgehen ließ.

Christina Fornacon aus Luckenwalde gefällt die Johanniskirche jetzt wieder gut. "Vor allem fällt kein Putz mehr von der Decke. Und die Malereien kommen erst so richtig zur Geltung", sagte die Tochter des ehemaligen Luckenwalder Pfarrers Siegfried Fornacon. (Von Margrit Hahn)

Märkische Allgemeine vom 03. Nevember 2009

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