EHRUNG: Auf den Plätzen der Vorfahren

Synode der Landeskirche zeichnet pfiffige Idee des Fördervereins Siethener Dorfkirche aus

SIETHEN/BERLIN - Während der Herbsttagung der Landessynode, dem höchsten Entscheidungsorgan der Evangelischen Landeskirche von Berlin, Brandenburg und schlesische Oberlausitz (EKBO), ging es neben der Wahl des neuen Bischofs auch um die Frage, wie man mit pfiffigen Ideen wieder mehr Menschen in die Gotteshäuser holen kann. Eine der drei diesjährigen Auszeichnungen, den "EKBO-Hahn", erhielt am Wochenende in der Berliner Bartholomäuskirche der Förderverein Siethener Dorfkirche. Vereinsvorsitzende Yvonne Wendtland und Gabriele Felgentreu waren geladen, um die Lobesworte und den Preis entgegenzunehmen. Die Jury fand das im Frühjahr gestartete Projekt "Auf den Plätzen der Vorfahren" originell und empfehlenswert für andere Gemeinden.

Yvonne Wendtland hatte in einem alten Protokollbuch den Sitzplan der Siethener Kirche von 1915 gefunden. Sie stellte ihn bei einer Rentnerfeier vor und stieß auf riesiges Interesse. "Ich war so überrascht von der Resonanz, dass mir die Idee kam, die Nachfahren der im Sitzplan Genannten einzuladen." So kam es, dass nicht nur die Nachfahren, sondern fast das ganze Dorf mobilisiert wurde und eine denkwürdige Veranstaltung mit Lesung und historischen Betrachtungen zustande kam.

Viele Leute saßen "auf den Plätzen der Ahnen" auf der einen Seite die Männer, auf der anderen die Frauen, vorn die Nachfahren des Kirchenpatrons und dessen Familie, daneben Pfarrer, Lehrer und Beamte des Gutes, dahinter Bauern und Kolonisten und ganz hinten die Nachfahren der ehemaligen Gutsarbeiter.

Der Verein hatte sich gegründet, um Mittel für die dringend nötige Kirchturmsanierung zu akquirieren das gelang mit dieser Aktion unerwartet gut. Und neben der kulturellen Bereicherung bescherte sie den Bewohnern ein gutes Stück "Wir-Gefühl".

Pfarrer Peter Collatz und Yvonne Wendtland freuen sich über die Aufmerksamkeit, die das Projekt durch die Verleihung des Preises erfährt. Und auch, dass man dem Ziel der Turmsanierung näher gekommen ist. Gemeinsam denken sie an eine Neuauflage des sehr speziellen Gottesdienstes im Frühjahr. Denn es fehlt noch einiges, um das Turmprojekt beginnen zu können. "Es wäre so schön, wenn die Siethener endlich wieder ihr komplettes Glockengeläut hören könnten ohne Angst, dass der Turm bersten könnte", lacht Yvonne Wendtland. (Von Andrea von Fournier)

Märkische Allgemeine vom 17. November 2009

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