Förderverein Kloster Chorin

Von Manja Wilde

 
Ehrenamtliches Engagement: Mitglieder des Vereins bei einer Wahlveranstaltung.
Foto:Privat

Chorin (MOZ) Der Erhalt der Wirkungsstätte der Mönche und die Erforschung ihres Lebens sind Hauptziele des Fördervereins Kloster Chorin. In Vorträgen, Seminaren und Ausstellungen machen Mitglieder ihre Erkenntnisse öffentlich.

Am Anfang ging es Marina Tekla wie vielen: Sie war fasziniert von der äußeren Hülle der imposanten mittelalterlichen Klosteranlage in Chorin. Doch je öfter die damalige Berlinerin durch die ausgetretenen Gänge der Jahrhunderte alten Backsteingebäude ging, umso mehr verspürte sie den Drang, in die Geschichte des Klosters und seiner ehemaligen Bewohner einzudringen.

Heute steht Marina Tekla dem Förderverein des Klosters vor. Die Bedeutung der Anlage als wirtschaftliches und geistiges Zentrum der Region in Vergangenheit und Gegenwart sowie die europäischen Zusammenhänge zwischen verschiedenen Klöstern in Europa üben für sie den Reiz dieser Tätigkeit aus. Ihr Wissen darum möchte sie mehren und öffentlich machen. In Ausstellungen, Publikationen und Seminaren.

Dies sind auch einige der Anliegen des 1991 gegründete Vereins. Zudem möchten sich die mittlerweile 40 Mitglieder für Erhalt und Wiederherstellung historisch besonders wichtiger Elemente des Klosters einsetzen. Auch das Umfeld der Anlage und der Wirkungsbereich der Zisterzienser soll erforscht werden. So steht es in der Satzung. "Um die Ziele zu verwirklichen, brauchten wir eine Körperschaft, damit wir öffentliche Gelder akquirieren können", erinnert sich Gisela Gooß, Gründungsmitglied und langjährige Vorsitzende des Vereins. Über die jährlichen Zisterzienserfahrten bis nach Schottland oder Frankreich knüpften die Mitstreiter Kontakte und fanden neue Mitglieder.

Ihre Herkunft - aus dem Osten Brandenburgs, wo die Kirche im Gegensatz zu anderen Orten - nicht Träger des Klosters ist, öffnete ihnen dabei einige Türen. "Viele fanden es spannend zu erfahren, wie die Klosterarbeit bei uns abläuft. So durften wir selbst in aktiven Klöstern die Klausur besichtigen, ein Bereich, der sonst den Mönchen und Nonnen vorbehalten ist", so Gooß. "Selbst in Polen, wo die Tradition sehr streng befolgt wird, hatten wir dieses Privileg", ergänzt Marina Tekla. Die Ergebnisse solcher Reisen, gemeinsamer Vorträge und Seminare fließen in die Publikationen und Ausstellungen ein. Über die Jahre organisierte der Verein 45 Schauen im Kloster.

Eine Idee, die über die Reisen nach Chorin gelangte, ist der mittelalterliche Markt, der im Mai dieses Jahres das erste Mal stattfand. 26 Ordensgemeinschaften aus vier Ländern stellten sich dabei vor. Das Interesse der Gäste war riesig. Viele Aussteller zeigten sich verwundert, wie wenig die Besucher aus der Region über das Leben in und um ein Kloster wissen. "Hier haben wir einen großen Bildungsauftrag", sagte eine Vertreterin aus Bayern - und versprach wiederzukommen.

DREI FRAGEN AN Marina Tekla, Vorsitzende des Fördervereins

 

Frau Tekla, was möchten Sie dem Kloster-Touristen vermitteln?

Dass das Bauwerk mehr ist als eine Touristenattraktion, dass es in die Kirchengeschichte eingebettet ist, in die Historie der Region.

Bemerken Sie zwanzig Jahre nach der Wende eine Öffnung auch der ostdeutschen Besucher für Religion?

Das Interesse der Besucher ist auf jeden Fall da. Viele sind sehr verwundert, was es alles für Orden gibt. Das haben wir bei unserem ersten Klostermarkt erlebt. Darauf boten die Aussteller weit mehr an als Honig und Likör aus eigener Produktion. Es gab auch geistige Angeboten und Einladungen zu Meditationstagen. Das weckt natürlich Neugier bei den Besuchern.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Wir möchten den Klostermarkt im Frühling und unser wissenschaftliches Seminar im Herbst als Angebote zur Verlängerung der Klostersaison beibehalten. Vor allem über den Markt bietet sich eine ganz neue Dimension der Bildungsarbeit. Das ist lebendige Geschichte.

Märkische Oderzeitung vom 25. November 2009

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