Stechauer Kirche wartet noch auf viele Restaurierungsarbeiten

Stechau Anneliese Schurig freut sich schon auf Heiligabend. Dann wird die kleine Stechauer Kirche erfahrungsgemäß voller sein als zu den Gottesdiensten alle vier Wochen. Und dann wird auch ein geschmückter Baum die Kirche erhellen. "Ich finde unsere Kirche einfach schön", sagt sie. Auch, wenn vor allem im Inneren noch Vieles zu wünschen übrig lässt.

 
Anneliese Schurig und Helmut Matzke sortieren schon mal Kissen und Decken für den Heiligabendgottesdienst. Obwohl die Stechauer Kirche einen beheizbaren Raum, die "Winterkirche", hat, findet der Gottesdienst am 24. Dezember in der "richtigen" Kirche statt.
Foto: Sven Gückel

Die Stechauer Kirche zählt zu den ältesten des Landkreises und prägt das Ortsbild wie kaum ein anderes Gotteshaus. Im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts wurde der Feldsteinquaderbau errichtet. Kein Wunder, dass die Stechauer stolz auf ihre Kirche sind. Besonders liegt sie dem heute 77-jährigen Helmut Matzke am Herzen. Seit 1946 lebt er in Stechau, war viele Jahrzehnte im Kirchengemeinderat. "Als ich 70 wurde, musste ich aus dem Kirchenrat ausscheiden. Das war so vorgeschrieben", sagt er. "Heute darf man wieder Mitglied sein, wenn man über 70 ist. Aber jetzt sollen Jüngere ran", meint er. Was nicht heißen soll, dass den Senior die Kirche nicht mehr kümmert. Im Gegenteil. Er weiß genauestens Bescheid und arbeitet fleißig mit. Nur eben nicht mehr im Gemeindekirchenrat. Mit Anneliese Schurig ist eine würdige Nachfolgerin in seine Fußstapfen getreten. Sie ist erst seit zwei Jahren im Gemeindekirchenrat. Für die Kirche engagiert sich die Stechauerin aber schon viel länger. Ihr zur Seite stehen Günter Wenzel, Fred Zaak und Regina Schmidt. "Ich bin hier getauft, konfirmiert und mit der Kirche groß geworden", sagt sie. Anneliese Schurig fühlt sich dafür verantwortlich, dass es im Gotteshaus und im Umfeld stets sauber aussieht. "Einige Frauen aus dem Ort helfen mir dabei", so die Stechauerin, die übrigens auch die Frau des Ortsvorstehers ist.

Seit der Wende wurde in die Sanierung der Stechauer Kirche schon viel investiert. Das Dach wurde in Ordnung gebracht, der Turm geputzt, das Fundament stabilisiert. Auch die Kirchturmkugel erhielt neuen Glanz. "Das muss Ende der 90er Jahre gewesen sein. Die Kugel sollte eine kupferne Legierung bekommen. Aber das wollten wir nicht, wir wollten eine vergoldete Kugel haben. Da sind wir mit der alten Kugel im Handwagen von Haus zu Haus gezogen und haben gesammelt, bis wir das Geld für die vergoldete Kugel und für vergoldete Zifferblätter für die Uhr zusammenhatten", erzählt Helmut Matzke. Ein neues Uhrwerk allerdings fehlt heute noch. "Das würde 5000 Euro kosten. Soviel Geld haben wir nicht", so der 77-Jährige.

Auch die Orgel gibt schon seit Jahren keinen Ton mehr von sich. Sie müsste komplett saniert werden. Das größte Sorgenkind der Stechauer Kirche ist derzeit aber der Altar. Er droht zu kippen und an ihm nagt der Holzwurm. "Es hat schon einen Vor-Ort-Termin mit Frank Stiehler vom Kirchenbauamt gegeben. "Ein Kostenvoranschlag über 5000 Euro liegt vor. Wir haben einen Antrag bei der Sparkassenstiftung gestellt", erklärt Anneliese Schurig. Die Stechauer machen noch weitere "Baustellen" in ihrer Kirche auf. Die Bänke müssten dringend restauriert werden, ebenso die Emporen. "Wir würden gern auch selbst mit anpacken, Bänke ausbessern oder Wände streichen. Aber das erlaubt uns der Denkmalschutz nicht", sagt Helmut Matzke.

Frank Stiehler weiß, dass die Stechauer gern helfen möchten, aber er bremst den Elan. "Sicher gibt es Möglichkeiten für Eigenleistungen, aber das muss alles ordnungsgemäß und fachlich abgestimmt werden. Stechau hat zum Beispiel ein wunderschönes geschlossenes Gestühl. Da kann man nicht so einfach loslegen", sagt er. Stiehler kennt auch die finanziellen Probleme. "Seit es für die Dorfkirchen keine Fördermittel mehr gibt, sieht es düster aus", meint er.

Doch die Stechauer geben die Hoffnung nicht auf. "Vor allem wenn Brandenburgische Sommerkonzerte auf dem Gut stattfinden, kommen viele auswärtige Besucher in unsere kleine Kirche. Sie sind begeistert und wünschen, dass auch im Innern die Sanierung vorangeht", so Anneliese Schurig. Jetzt aber ist sie erstmal mit den Vorbereitungen für den Heiligabend-Gottesdienst beschäftigt. "Ich finde meine Kirche schön", wiederholt sie sich und möchte, dass auch andere sich hier wohlfühlen.

Von Birgit Rudow

Lausitzer Rundschau vom 16. Dezember 2009

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