DENKMAL: Bankpaten und Ziegelspender

Das Vehlefanzer Gotteshaus wird restauriert, die Gemeinde sucht deshalb auch nach alten Fotos

VEHLEFANZ - Es wird konkret: Im Mai oder Juni soll mit den Arbeiten an Dach und Dachstuhl begonnen werden, sagt Pfarrer Thomas Köhler. Schon vor wenigen Monaten war er ganz hoffnungsfroh (MAZ berichtete), dass das große Projekt der Kirchenrestaurierung nun endlich in Angriff genommen werden kann. Eine Zusicherung in Höhe von 50 000 Euro gibt es bereits, diese Summe kommt aus dem Kirchenstaatsvertrag des Landes Brandenburg mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz. Benötigt werden in diesem Jahr rund 140 000 Euro, zwei Anträge auf Fördergelder laufen noch; zum einen bei der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland, dann bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Eventuell noch in diesem Monat könnte es schon eine erste Rückmeldung geben, kündigt Köhler an.

Insgesamt werden 1,1 Millionen Euro benötigt, um das ehrwürdige Gotteshaus wieder herzurichten. Auch wegen dieser enormen Summe hat sich die evangelische Dreieinigkeitskirchengemeinde vorgenommen, erst innerhalb von acht Jahren die Restaurierung vollständig zu realisieren. Wieviel Fördermittel sich im Endeffekt akquirieren lassen werden, kann überhaupt noch nicht abgeschätzt werden. Jahr für Jahr wird die Gemeinde neue Anträge, bezogen auf konkrete Bauvorhaben, auslösen. Schon die Dachsanierung kann bis zu drei Jahre beanspruchen, erklärt Pfarrer Köhler. In der Mitte des Daches, in den Kehlen, soll im Sommer gestartet werden. Zwar gibt es ein genaues Schadensgutachten, dennoch kann es passieren, dass erst während der Bauarbeiten der Grad der Schäden endgültig bewertet werden kann. An zwei Kehlen war während des Schadensgutachtens 2008 starker Schwammbefall festgestellt worden, schon damals wurde hier eine Art Notsanierung durchgeführt.

Der Kirchenkreis Oranienburg und die Landeskirche unterstützen die Restaurierung, die Kommune will ebenfalls mit einer Spende helfen. Bald können sich die Vehlefanzer sogar selbst am Bau verewigen. Für einen symbolischen Preis von zehn Euro pro Stück sollen die neuen Dachziegel verkauft werden, so Köhler. Eine Idee der Kirchengemeinde, ihre Mitglieder in die Restaurierung mit einzubeziehen. Mit einer Namenstafel gewürdigt werden sollen all jene, die eine Patenschaft über eine der Kirchenbänke übernehmen, sagt Thomas Köhler. Im September vergangenen Jahres, als er erstmals die bevorstehenden Bauarbeiten ankündigte, konnte er schon drei Bankpaten vorstellen. Mittlerweile sind zehn Bänke verkauft. Für immerhin 1500 Euro pro Stück, in etwa die Summe, die für die Restaurierung dieser Ausstattungselemente aufgewendet werden muss. Die Paten kommen nicht nur aus Vehlefanz. Ulrike von Wartburg wurde hier getraut und ließ ihre Kinder hier taufen, lebt aber in Berlin. Bei Ortsvorsteherin Erika Kaatsch ist es auch das Bewusstsein für ein wichtiges Denkmal. Und die Mitglieder der Theatergruppe der Kirchengemeinde gehörten ebenfalls zu den ersten Spendern. Bis diese Bänke, die im 18. Jahrhundert entstanden sind, saniert werden, wird es wohl noch etwas dauern. Aber dann wird mit ihnen auch dauerhaft das Andenken an die Leute bewahrt, die nun bereitwillig helfen wollen.

Eine große Bitte hat der Pfarrer noch an alle Vehlefanzer und die, deren Familien mal eine Verbindung zum Ort hatten: Bislang gibt es keine Fotos, die den Ausmalungszustand der Kirche vor 1913 zeigen. Wenn jemand also über Bilder verfügt, die im Gebäude entstanden sind, würde Thomas Köhler sich über eine Rückmeldung freuen. "Oft helfen Familienfotos", weiß er. Oder Aufnahmen, die bei Konfirmationen entstanden sind. Denn selbst ein kleines Detail, eine Andeutung vom Innenraum nur, kann für die Kirchengemeinde, Restauratoren und Denkmalpfleger schon ein wichtiger Hinweis sein.

Falls jemand alte Fotos findet oder die Sanierung unterstützen will, freut sich Pfarrer Thomas Köhler unter 03304/50 05 73 über einen Anruf. (Von Karen Grunow)

Märkische Allgemeine vom 06. Januar 2010

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