KULTUR: Noch Karten für Benefiz erhältlich

Heiko Reissig und Udo Schenk unterstützen Förderverein zum Wiederaufbau der Turmspitze der Katholischen Kirche

WITTENBERGE - Fünf Türme krönten einst die Silhouette der Stadt Wittenberge: Uhrenturm, Evangelische Stadtkirche, Rathausturm, Wasserturm und die Kirchturmspitze der Katholischen Kirche.

Letztere fiel dem Bombenangriff alliierter Truppen am 10. April 1945 zum Opfer. Die Kirche im Stadtzentrum brannte bis auf die Ringmauern aus. Das Gotteshaus wurde wieder aufgebaut, doch für den 18 Meter hohen Kirchturm gab es keine Baugenehmigung mehr.

Nach 65 Jahren fehlt der Stadt immer noch dieser fünfte Turm. Für den Wiederaufbau engagiert sich seit 2006 ein Förderverein. "Wir wollen der Kirche wieder ein sichtbares Aussehen geben und für die Stadt und ihre Menschen eine Lücke schließen," so der Vorsitzende Günther Mikolasch.

Viele Bürger und Firmen griffen schon in ihre Geldtasche, um einen Anfang zu machen. Denn immerhin werden etwa 100 000 Euro benötigt, weil eine Förderung mit Landes- oder EU-Mitteln nicht in Aussicht steht. Mehr als 23 000 Euro kamen bereits zusammen. Auf vielen Events wie zum Beispiel dem Wittenberger Stadtfest warb der Förderverein für sein Anliegen.

Die "Krönung" ist jetzt ein Benefizkonzert, das am 7. Februar im benachbarten Kultur- und Festspielhaus unter dem Motto "Ein Turm wird Spitze" gegeben wird. Zwei bekannte Söhne dieser Stadt haben sich bereiterklärt, zu lesen, zu singen und natürlich Geld einzuspielen: der beliebte Opern- und Operettensänger Heiko Reissig und der bekannte Schauspieler Udo Schenk, der in Wittenberge sein Abitur machte.

Udo Schenk liest aus dem Roman "Lavendelduft" der Wittenberger Schriftstellerin Waltraud Ehlert, in dem die Elbestädter und deren Leistungen nach 1900 eine ausdrückliche Würdigung erfahren. "Es ist ein Buch übers Leben und Sterben und alles was dazwischen liegt", umreißt Waltraud Ehlert die Fabel ihres Romans. Ein Stoff, der offensichtlich zu einer Benefizveranstaltung wie dieser genau passt. Heiko Reissig suchte eigens für diese Veranstaltung ein Lied des Wittenberger Komponisten Eugen Hildach (1849-1924) heraus, das er präsentieren wird.

Da fehlen eigentlich nur noch die Wittenberger selbst, die mit ihrem Eintrittsgeld zu diesem außergewöhnlichen Nachmittag direkt den Wiederaufbau der Kirchturmspitze unterstützen. Natürlich sind nicht nur Elbestädter willkommen.

Die Wiedererrichtung der Kirchturmspitze würde das in den letzten Jahren sanierte Ensemble von Bahnstraße, Paul-Lincke-Straße und Kulturhaus architektonisch und würdevoll abrunden. Für Günther Mikolasch ist es zudem ein gutes Zeichen, dass dieses Engagement für ein Bauwerk über konfessionelle Bindungen hinaus viele Ansätze für Gespräche über die Stadt und ihre Geschichte bietet. Dieser Gedankenaustausch kann ganz persönlich auch mit den Künstlern fortgesetzt werden, die nach dem Event zu einem Glas Sekt in das Foyer des Kultur- und Festspielhauses einladen. (Von Frank Stubenrauch)

Märkische Allgemeine vom 03. Februar 2010

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