Christel Paulick setzte Spendenmarathon zur Sanierung der Kirche in Ogrosen in Gang

Ogrosen Tausende sind es, die sich Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat ehrenamtlich betätigen, anderen Menschen im Alltag oder in Notsituationen helfen. Diese Frauen und Männer und Jugendlichen will die RUNDSCHAU in den kommenden Monaten würdigen. Wir suchen mit Ihrer Hilfe, liebe Leser, die jeweiligen Menschen des Monats, um im Januar 2011 den Menschen des Jahres küren zu können in einer Leserwahl. Jeden Monat stellen wir drei Spreewälder vor, die uneigennützig für andere da sind, die es verdient haben, öffentlich gewürdigt zu werden. Heute: Christel Paulick aus Ogrosen.

 
Findet nur selten Ruhe: Christel Paulick aus dem Vetschauer Ortsteil Ogrosen.
Foto: H. Kuschy
Die Ogrosener Kirche

Nur Sekunden sitzt Christel Paulick still auf dem Bürostuhl zwischen Spendenbüchsen, Faxgerät und unzähligen Büchern im kleinen Arbeitszimmer ihres Wohnhauses. Sie beginnt, mit den Händen zu fuchteln, als sie Geschichten darüber erzählt, wie für die Sanierung "ihrer" Kirche mittlerweile mehr als 240 000 Euro gespendet wurden.

"Manche sagen, ich bin ein bisschen nervig, bei mir ist immer alles eilig", gesteht sie. Deshalb werden wohl auch die Handwerker keine Chance gehabt haben, ihrem Drängen zu entkommen, als die Ogrosener in den 1980er-Jahren ihr Pfarrhaus saniert haben. Selbst Bekannte aus der "West-Partnergemeinde" zögerten nicht und schickten dringend benötigte Abwasserrohre nach Ogrosen. Schließlich war das Gemeindehaus fertig. "Das haben wir alleine geschafft, aber die Kirche packen wir nicht", habe sie damals gesagt. "Wir haben immer für alles, zum Beispiel Brot für die Welt, gesammelt.

Aber wenn uns die Kirche zusammenbricht, sammeln wir auch dafür nicht mehr" diese Erkenntnis hat sie eines Tages eine Idee ausbrüten lassen, die Ogrosen über Deutschland hinaus bekannt gemacht hat: "In Deutschland leben 80 Millionen Menschen. Wenn nur 250 000 je einen Euro spenden, haben wir's geschafft." 125 Spendenkisten sind daraufhin von Frauen im Ort gebastelt worden, 20 wurden innerhalb Deutschlands verschickt, auch in den Bundestag. Die Fernsehsendung "Ende der Gemütlichkeit in der evangelischen Kirche", die auch einen Blick in die Ogrosener Kirche warf, tat ein Übriges. Briefe und Telefonate aus Deutschland, der Schweiz und England erreichten den Vetschauer Ortsteil. "Der Spendenberg wuchs", erzählt die 51-Jährige freudig und rutscht auf dem Sessel hin und her. Konzerte, Erntedankfeste, ein Kirchentag wurden zum Spendensammeln genutzt. Künstler gaben sich bald die Kirchenklinke in die Hände.

"Allen voran Carola Fischer vom Staatstheater Cottbus, die vor dem ersten Konzert davon ausging, dass in unserer Kirche geheizt wird. Das ging aber nicht. Zum ersten Mal habe ich Schnaps zum Aufwärmen in die Kirche geschleppt und schafwollene Socken", erzählt Christel Paulick amüsiert. Und immer hätten die Ogrosener zusammengehalten, besonders die Frauen, die noch heute Kuchen backen und kochen, wenn sich zum Beispiel Konzertbesucher noch unter der alten Linde an der Kirche treffen. Alles in den Schatten gestellt aber habe eine ältere schwerkranke Dame aus Berlin, die über das Ogrosener Gotteshaus im Buch "Brandenburgische Dorfkirchen und ihre Hüter" von Kara Huber, Frau des damaligen Landesbischofs, gelesen hatte. "Sie überwies 9000 Euro. Wir haben sie gleich zu uns eingeladen und ihr die Kirche gezeigt, sie bewirtet. In Stöckelschuhen habe ich ihr auf Wunsch die Ogrosener Wiesen gezeigt ", erinnert sich die dreifache Mutter und ist ganz aufgeregt.

Denn Wochen später standen auf dem Auszug weitere 100 000 Euro. "Ich kann immer schlafen, aber da habe ich mich drei Nächte lang hin- und hergewälzt", weiß sie noch. Am 12. Oktober 2008 lautete der Spendenstand schließlich über 179 000 Euro.

",Lasst uns anfangen', haben wir im August vorigen Jahres gesagt. Der alte Glockenstuhl ist runter, neue Glocken lassen wir gießen. Das war ursprünglich gar nicht vorgesehen. Aber die Firmen Zoch und Sayatz aus dem Ort übernehmen die Finanzierung. Ist das nicht toll? Die Ogrosener sind infiziert vom Spendenvirus und hoffentlich noch viele weitere", wünscht sich Christel Paulick.

Das Gerüst vom Turm kann nun runter.

In diesem Jahr soll der zweite Bauabschnitt beginnen: das Kirchenschiff, Hülle und Decke. "Eine Anwaltsfamilie aus Oberbayern, die hier war und gespendet hat, verspricht uns zur Eröffnungsparty Freibier. Bis dahin wird es dauern, denn es gibt noch viel zu tun. Aber wir laufen weiter und sammeln Spenden", ist sich die Ogrosenerin sicher.

Lausitzer Rundschau vom 03. Februar 2010

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