Ruht unter Blüthens Altar ein Bischof?

von Manfred Drössler

 
Der Legende nach soll der entführte Lübecker Bischof nach seinem Tod 1547 in der Pfarrkirche Blüthen beerdigt worden sein.
Marie-Luise Klehmet, Gordon Thalmann und Ulrich Wolf im Gespräch zu einer möglichen Altaränderung.
Manfred Drössler

BLÜTHEN - Lüftet sich mit einer geplanten Altarneugestaltung in Blüthen das bisher nie geklärte Geheimnis um das Ende einer Lösegeldforderung, die für den Entführten 1547 tödlich endete? Denn es hält sich die Legende, dass unter dem jetzigen Altar Balthasar Rantzau, damaliger Bischof von Lübeck, beerdigt ist.

Der Bruder und einstige Rat des dänischen Königs Christian III. und Dompropst zu Schleswig wurde 1536 Bischof zu Lübeck und ging durch sein tragisches Ende in die Geschichte ein. Der mecklenburgische Adlige Marten von Waldenfels aus Gorlosen hatte ihn 1545 vom bischöflichen Gut Kaltenhof bei Alt-Lübeck entführt, um eine Schuld Christians III. mit einem Lösegeld von 20 000 Goldgulden einzufordern. Doch das wurde nicht gleich gezahlt, die Verhandlungen zogen sich auf höchster Ebene hin und der Bischof wurde von einer Burg zur anderen verschleppt. Laut Wikipedia ist er auf Schloss Wartenfels in der Lausitz gestorben.

In Blüthen hingegen hält sich eine andere Darstellung: "Zuletzt soll er in Gorlosen gefangen gehalten, dort verstorben und mit dem Neubau der Blüthener Kirche im Altarbereich beerdigt sein", erzählt Ulrich Wolf. Natürlich sei ihm der Widerspruch bewusst, dass in einer Dorfkirche eigentlich kein Bischof begraben sein könnte, schränkte der Kichenälteste ein. Doch wisse man nicht, welche besonderen Umstände damals vielleicht zu außergewöhnlichen Handlungen führten.Und Ulrich Wolf könnte mit seinen Vermutungen gar nicht so daneben liegen.

Bei seinen Recherchen stieß der "Prignitzer" auf Prof. Dr. Wolfgang Prange. Fast 40 Jahre war der Historiker im Landesarchiv Schleswig-Holstein tätig, davon 23 Jahre als Leitender Direktor. Und auch heute noch ist der jetzt 77-Jährige täglich in seiner alten Arbeitsstelle anzutreffen. So schickte er dem "Prignitzer" einen Auszug aus dem biografischen Lexikon von Erwin Gatz "Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches 1448 bis 1648", in dem nachzulesen ist, dass Balthasar Rantzau im April oder Mai 1547 in Gefangenschaft auf Schloss Stavenow gestorben und in der Pfarrkirche zu Blüthen bei Perleberg beigesetzt ist. In einem weiteren Auszug des von David Franck 1755 herausgegebenen 9. Band "Altes und neues Mecklenburg" ist auf Seite 226 von einem "übel berüchtigten Raubschlosse zu Gorlosen an der Elde" die Rede, "wo einer wohnet, der den Bischof zu Lübeck, Balthasar von Ranzow gefangen genommen"... und dieser bald darauf im Gefängnis zu Stavenow gestorben sei. Wo der Bischof begraben wurde, ist hier aber nicht weiter erwähnt.Wie den Ort des Todes und der Beisetzung hätten die Entführer auch solange wie möglich versucht, den Zeitpunkt des Ablebens geheim und damit die Lösegeldforderungen so lange wie möglich aufrecht zu erhalten, meinte Wolfgang Prange. "Auch für uns wäre es sehr interessant zu erfahren, ob der Bischof wirklich in Blüthen beerdigt wurde", unterstrich der Historiker.

Der Gemeindekirchenrat möchte Veränderungen im Altarbereich vornehmen, um mehr Platz zu schaffen für Konzerte und andere Veranstaltungen. Zu einem ersten Gespräch trafen sich Gemeindekirchenratsvertreter, Pfarrerin Marie-Luise Klehmet und Gordon Thalmann von der unteren Denkmalbehörde des Landkreises Prignitz. Gegen eine Veränderung gebe es generell nichts einzuwenden, so der Mitarbeiter für den Bereich Kirchen, Schlösser und Herrenhäuser. In der Kirche ständen ohnehin unterschiedliche Zeitepochen nebeneinander. Der Gemeindekirchenrat sollte einen Gestaltungsvorschlag einreichen. Auch ein neuer Altar sei unter der Prämisse denkbar, dass er sich in die Gesamtgestaltung der Kirche einfügt. "Er sollte weiterhin der zentrale Punkt sein." Möglich sei ebenso, das Gestühl rechts neben dem Altar um eine Bankreihe zu reduzieren. Sie könnte auf der Orgelempore das Platzangebot bereichern und der alte Altartisch in die Turmausstellung einbezogen werden, meinte Kirchenältester Ulrich Wolf.

Der Prignitzer vom 05. Februar 2010

   Zur Artikelübersicht