Gefährdete Schönheit

Ausstellung zu "Dorfkirchen in Brandenburg"

Die Provinz Brandenburg hat unerwartet viele Kunstschätze zu bieten. Darüber kann man sich ab 21. August in der Leonhardskirche informieren. Denn in Brandenburg gibt es trotz aller Probleme wunderschöne Dorfkirchen zu sehen. Gotische Schnitzaltäre oder Taufengel und Orgeln aus der Zeit der Renaissance oder des Barock blieben erhalten.

Das einstige Kolonialland wurde planmäßig mit Burgen, Schlössern, Klöstern und Siedlungen überzogen, von denen sich erstaunlich viel erhalten hat. Der Kulturinteressierte denkt natürlich zunächst an die preußischen Königsschlösser um Berlin, an Neuruppin und Rheinsberg, vielleicht noch an die alte Domstadt Brandenburg, aber sonst? Es sind vor allem die Dörfer, an denen man auf dem Weg in den Urlaub vorbeifährt, die eine alte Kultur bewahren, welche woanders längst "wegmodernisiert" worden ist. Sie sind der wesentliche Teil einer gewachsenen Kulturlandschaft.

Durch die planmäßige Kolonisation erhielt jedes Dorf sein eigenes Gotteshaus.

Die Dörfer waren überwiegend im Besitz adliger Patronatsherren, welche die Kirchen, auch zum eigenen Ruhme, oft reich ausstatteten. Ihre Schlösser und Herrenhäuser werden heute, sofern sie Kriegs- und Nachkriegszeit überstanden haben, mit unterschiedlichen Nutzungsaufgaben restauriert. Da Brandenburg immer überwiegend Agrar- und Waldland war, blieb der hohe Ausflugswert für die Berliner erhalten, die an den zahlreichen Seen Erholung finden. Diese Mischung aus Kultur und Freizeitmöglichkeiten machen das stille Land vor allem heute zu einem attraktiven Ziel für sanften Tourismus und Kurzurlaub.

Jedoch hat das Land seine Probleme: die Arbeitslosigkeit liegt bei 18 Prozent, in einigen Gebieten erreicht sie bis zu 30 Prozent. Abwanderung und Überalterung prägen das Land und machen die Provinz zu einem Sorgenkind in Deutschland. Die verarmten und klein gewordenen Gemeinden sind mit ihrem reichen kulturellen Erbe überfordert, die Landpfarrer kümmern sich um bis zu 15 Dörfer - es bleibt weder Zeit noch Geld, um alle Dorfkirchen gleichzeitig zu erhalten und zu nutzen, zumal auch noch Kriegsschäden und Vernachlässigung im Sozialismus ausgeglichen werden müssen. So dämmert manches Kleinod als Schandfleck des Dorfes seinem Aus entgegen.

Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg macht mit dieser Ausstellung auf das Problem aufmerksam. Seine Mitglieder und Freunde haben seit der Wende schon manche verloren geglaubte Dorfkirche in Brandenburg retten können. Red

Stuttgarter Wochenblatt vom 18. August 2011

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