Ein Dorf saniert seine Kirche

OGROSEN Manch älterer Ogrosener ist in der alten Dorfkiche getauft und auch konfirmiert worden. Sie alle und sogar Kirchenfreunde aus ganz Deutschland fühlen mit dem Gotteshaus, für das seit mehr als fünf Jahren Geld gespendet wird und das deshalb seit zwei Jahren umfassend saniert werden kann.

 
Die Innenwände des Kirchenschiffes sind fertig geputzt. Auf den Bänken erinnern sich einige Ogrosener noch an ihre Konfirmation hier.
Foto: Hannelore Kuschy

Ensemblemitglieder des Staatstheaters Cottbus, der TheaterNative C und Schüler der Kreismusikschule singen und spielen für die Kirche. Frauen wie die 78-jährige Käthe Krüger, Marianne Göbel (61), Rose-Marie Wunderlich (63) oder Margot Hartwig (82) backen Kuchen, wann immer eine Veranstaltung zugunsten der Kirchensanierung stattfindet. Dass die Arbeiten nun schon so weit fortgeschritten sind, freut sie alle. Noch vor Jahren hatte Käthe Krüger nicht daran geglaubt, dass sie die restaurierte Kirche jemals erleben wird. "Heute bin ich total fröhlich. Bloß gut, dass wir die Spendensammlungen ins Leben gerufen haben", sagt sie. Auch ein Rentner aus Mönchengladbach gibt die Hoffnung nicht auf, dass das Gotteshaus eines Tages komplett saniert erstrahlen wird. Bis dahin spendet er monatlich fünf Euro von seiner Rente.

"Im Dorf gibt es auch eine Einigkeit zwischen den Vereinen und der Kirche, da ziehen alle an einem Strang", ergänzt Christel Paulick von der Kirchengemeinde. "Die Leute haben einfach begriffen, dass die Kirche nicht nur zum Gottesdienst taugt, sondern auch ein Ort der Kultur ist", stellt Rose-Marie Wunderlich fest. Das soll sich nach Monaten angestrengter Arbeit in der Kirche am 23. Dezember um 16 Uhr wieder zeigen, wenn Mezzosopranistin Carola Fischer abermals ein Weihnachtskonzert gibt.

Doch viel Fleiß hat Gott noch vor dieses Fest gesetzt. Gerade werden die Fenstersprossen gereinigt und eingeölt. Einige Scheiben mussten ausgewechselt werden. Ein Teil der Fassade ist wie der Kirchturm bereits weiß gestrichen. Beim Anblick des einstmals schönen Feldsteinsockels aber schüttelt der gelernte Maurer Kurt Thiede mit dem Kopf, denn die Steine mussten nach Auflage durch die Denkmalbehörde überputzt werden. "Sowas kann man doch nicht machen", sagt er. Er, der wie viele Ogrosener hin und wieder nach der Kirche sieht, wundert sich auch darüber, dass die Kirche keine Dachrinnen bekommt. Um die bei Regen zu erwartenden Wassermassen aufzufangen, musste in einer Tiefe von etwa einem halben Meter um die Kirche herum eine Lehmschlemme eingebracht und der Graben mit Rasenschotter aufgefüllt werden. "Das Wasser, das von oben kommt, wird bestimmt einen Meter hoch zurückspritzen und gerät damit wieder gegen die Wand", ist sich der 72-Jährige sicher.

Der befürchtete Schwamm im Kirchenschiff hat sich glücklicherweise nicht bestätigt. Überarbeitet werden müssen jedoch das Gestühl und die Treppen. Das Gestühl auf der Empore muss gar erneuert werden. Bis auf die Turmtür sind bisher alle Türen restauriert worden. Der Innenraum der Kirche ist fertig geputzt. "Vielleicht gelingt es uns bis zum Weihnachtskonzert, die Wände zu streichen", hofft Christel Paulick. Die Farbe des Altars sei noch auszuwählen. Welche das sein wird, entscheide ein Restaurator, der sich nach der Ursprungsfarbe vorkratzen werde.

"Wenn der dritte Bauabschnitt abgeschlossen ist, machen wir Kassensturz", sagt Christel Paulick. "Dann werden wir sehen, wie es weitergeht. Drei Register der Orgel seien ja zu spielen für ein kleines Konzert ausreichend. Die Orgel aber werde doch noch einmal rund 54 000 Euro kosten, so die Schätzungen. "Größere Sorgen machen uns die Epitaphien der von Stutterheim. Denn es gibt keine schriftlichen Überlieferungen, anhand derer wir die Epitaphien restaurieren können", bedauert die Ogrosenerin. Ist die Kirche saniert, werden zur festlichen Einweihung vielleicht auch Fotos von Familie Göbel zu sehen sein, "denn mein Mann hat viele Bilder gemacht immer, wenn etwas fertig geworden ist", sagt Marianne Göbel.

Zum Thema:

Für SpendenWer für die Sanierung der Ogrosener Kirche spenden möchte, kann dies über folgende Bankverbindung: EvangelischerKirchenkreisverband NL,Konto-Nr. 1544444014, Bankleitzahl 350 601 90 bei der KD Bank Duisburg. Verwendungszweck:RT 1013 SanierungKirche Ogrosen

Von Hannelore Kuschy

Lausitzer Rundschau vom 08. September 2011

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