Laubst verliert seine Kirchturmspitze

LAUBST Beim Blick über die verschneiten Felder ist schon von Weitem die Silhouette von Laubst zu erkennen. Das typische Merkmal des Ortes ist der Kirchturm mit seiner markanten Haube. Doch der Turm wird seine Spitze verlieren.

 
Die Laubster Kirche ist denkmalgeschützt. Die baufällige Turmspitze wird trotzdem abgerissen.
Foto: nn

Horst Schulze blutet das Herz, wenn er nur daran denkt. Dass die Laubster Kirche bald ohne ihre Turmhaube dastehen soll, ist für ihn eine schreckliche Vorstellung. Der Tischler aus Laubst hat viel dazu beigetragen, dass die Kirche des Ortes, die bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg beschädigt wurde, wieder aufgebaut wurde. "Ich habe mir geschworen, dass die Kirche erhalten bleibt", sagt er. In den 1960er Jahren hat Horst Schulze eigenhändig den Kirchturm saniert. Die Wetterfahne mit der Jahreszahl 1968 erinnert daran.

Doch jetzt ist der Kirchhof rund um den Turm mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Kirchturm und Leichenhalle sind nicht mehr zugänglich. Laut Kirchlichem Bauamt ist die Turmhaube akut einsturzgefährdet. "Im Bereich des Übergangs zwischen Turmhaube und Turmkonstruktion weisen die Deckenbalken gravierende Schäden auf. Durch mehrere gebrochene Deckenbalken im Holzgerüst, das die Turmhaube mit Laterne trägt, neigt sich der Turm nach Westen. Der Absturz der Turmhaube beziehungsweise der Laterne ist jederzeit möglich", informiert Ulrike Menzel, die Superintendentin des evangelischen Kirchenkreises Cottbus. Grund für den schlechten Zustand des Kirchturms ist die langjährige Durchfeuchtung der Holzkonstruktion durch Schäden in der Dacheindeckung. "Diese sind wiederum darauf zurückzuführen, dass die Kirchengemeinde mit ihren Bemühungen um den Erhalt der Kirche bisher keine Unterstützung fand", erklärt Ulrike Menzel.

Ende Januar berieten sich Vertreter des Landesdenkmalamtes, der Unteren Denkmalschutzbehörde, des Kirchlichen Bauamtes, des Gemeindekirchenrates und des Traditionsvereins Laubst. Sie kamen überein, dass ein sofortiger Rückbau des Turmes nicht zu umgehen sei, um schlimmere Schäden zu verhindern. In der vergangenen Woche hat nun der Gemeindekirchenrat der evangelischen Kirchengemeinde Leuthen-Schorbus, zu der Laubst gehört, den Beschluss gefasst, beim Bauordnungsamt des Landkreises Spree-Neiße den Antrag auf Rückbau der Turmhaube samt Laterne zu stellen. "Finanziert wird die Notsicherung, deren genaue Kosten noch ermittelt werden müssen, durch die Kirchengemeinde, den Kirchenkreis und die Landeskirche", sagt Ulrike Menzel.

Diese Notsicherung soll die Möglichkeit offen halten, dass der Turm irgendwann wieder aufgebaut werden kann. "Ein Neuaufbau des Turms ist finanziell mit kirchlichen Mitteln jedoch nicht zu stemmen", bedauert die Superintendentin. Auch die Denkmalpflege kann kaum eigene Mittel beisteuern. Sie hat aber zugesichert, intensiv nach Fördermitteln zu suchen. Außerdem hat der Laubster Traditionsverein, der die Kirche für Veranstaltungen nutzt, angekündigt, sich nach Sponsoren umzusehen.

Horst Schulze ist trotz dieser Bekundungen guten Willens skeptisch. "Ich befürchte, dass die Turmspitze nie wieder aufgebaut wird, wenn sie einmal unten ist", sagt er. Seit dem Jahr 2006, als ein erstes Gutachten zum Zustand des Kirchturms erstellt wurde, sei klar gewesen, dass Handlungsbedarf besteht. Damals wurden die Sanierungskosten auf 350 000 bis 400 000 Euro geschätzt. Horst Schulze hätte sich nun ein weiteres Gutachten gewünscht, um zu klären, ob ein Rückbau der Turmspitze wirklich unumgänglich ist. "Bestimmt hätte sich dieser verhindern lassen, wenn man rechtzeitig Geld in die Sicherung investiert hätte", sagt er.

Von Nicole Nocon

Lausitzer Rundschau vom 15. Februar 2012

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