Ärger in Keller über grüne Flecken an der erneuerten Kirche

Keller (MZV) Kaum war die Nordseite der Kirche in Keller im Spätsommer des vergangenen Jahres saniert worden, tauchten grüne Flecken auf der neuen Fassade auf. Probleme dieser Art sind nicht selten bei Gotteshäusern.

 
Grüne Flecken auf historischem Rosa – das ärgert Leute in Keller.
© Heinig

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätte jemand zwei grüne Kleckse an den Putz gepinselt. Denn der ist nagelneu.

Da der Außenanstrich an der Kelleraner Kirche, die seit drei Jahren in mehreren Bauabschnitten saniert wird, in leuchtendem Rosa gehalten ist, springen die Flecken am Turm besonders ins Auge. "Das ist sehr ärgerlich", sagt Antje Schade vom Förderverein, der Spenden für die Ausbesserung sammelt.

Ähnlich sieht es Pfarrer Holger Baum von der Evangelischen Kirchengemeinde Lindow. "In Keller haben die Menschen jahrelang dafür gekämpft, dass die Kirche endlich in neuem Glanz erstrahlt. Und nun, wo an zwei Seiten schon neue Farbe ist, passiert so etwas."

Das alles sei "sehr schade", findet Baum. Immerhin sei die Nordfront erst im Spätsommer frisch verputzt worden. Bereits im Oktober seien die Flecken zum Vorschein gekommen.

Laut Wolfram Schwelgin vom zuständigen Ingenieurbüro für Baustatik und Sanierungsplanung (IBS) sind bauliche Mängel als Ursache auszuschließen: "Probleme wie dieses treten häufig bei Kirchenhäusern auf."

Schwelgins Erklärung ist folgende: "Die Kirche hat keine Dachrinnen. Deshalb fällt das Wasser vom Turm direkt auf die sogenannten Turmschultern an den Ecken. Zudem ist an der Ecke die Wetterseite; dadurch drückt es das Wasser auf die Fassade. Die Folge ist, dass sich an einigen Stellen Moos oder Algen bilden." Bei der Kirche in Meseberg gab’s das auch.

Eine Patentlösung liegt laut Schwelgin nicht auf der Hand. Eine Option heiße: alle zwei Jahre streichen. Die andere: Dachrinnen.

Letzteres scheint aber ausgeschlossen, da sich die Denkmalpflege bereits vor Beginn der Sanierung gegen die Anbringung von Dachrinnen ausgesprochen hat – um die ursprüngliche Gestalt der Kirche zu erhalten.

Das allerdings ist für Torsten Nölting von der Unteren Denkmalschutzbehörde zu kurz gedacht. "Dachrinnen allein werden das Problem nicht lösen", ist er sich sicher.

Denn: Regen klatscht windgetragen auch so gegen die Außenwand. "Wenn es sich um eine Nordseite handelt, dann trocknet es nicht gleich", so Nölting. Die verbleibende Feuchtgkeit reiche für die bekanntlich sehr genügsamen niederen Pflanzen.

Grundsätzlich werden im Einzelfall auch Dachrinnen zugelassen, auch wenn es sie früher nie gab, so Nölting. Bei Fachwerkkirchen mache man zumeist eine Ausnahme und erlaube die Traufen, vereinzelt auch bei gemauerten.

Aber Dachrinnen seien nunmal nicht das Allheilmittel gegen Regenwasser, betont Nölting. Er hat dabei konkrete auf Beispiele im Sinn, wo es sie gibt und trotzdem Feuchtigkeitsflecken an den Wänden wie in Keller – so in Gottberg und Wildberg.

Märkische Oderzeitung vom 29. Februar 2012

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