Geduldsprobe für Drebkauer Protestanten

VETSCHAU Die Sanierung einer denkmalgeschützten Kirche kostet viel Geld. Die evangelische Kirchengemeinde in Drebkau kostet die Sanierung ihres Gotteshauses aber auch Nerven. Das Warten auf die Fertigstellung wird für die Gemeinde zur Geduldsprobe.

 
 
Der Altarraum der Kirche heute: schmucklos und kahl.
Foto: Nicole Nocon

Bereits zum Jubiläum im Jahr 2009 sollte die 1809 errichtete Drebkauer Stadtkirche fertig saniert sein. Inzwischen sind weitere drei Jahre ins Land gegangen. Ob die Sanierung mit der Innenraumgestaltung in diesem Jahr abgeschlossen werden kann, ist ungewiss.

Nachdem die Kirche im Zweiten Weltkrieg einen Treffer bekommen hatte, bei dem auch der Kanzelaltar zerstört wurde, war die Kirche in den 1950er Jahren mit einfachsten Mitteln wieder instand gesetzt worden. Ursprünglich war der Altarraum mit Säulen, einem Ziersims und zwei Bibelzitaten geschmückt gewesen. Nach dem Krieg blieb die Wand hinter dem Altar glatt, weiß und schmucklos. Mittlerweile bröckelt der Putz, die Farbe blättert von den Wänden. Die Orgel ist mit einem Bretterverschlag eingehaust. Die Kirche kann für Gottesdienste nur eingeschränkt genutzt werden. Hochzeiten und Taufen werden verschoben. Im Kellerraum eines ehemaligen Pfarrhauses wurde ein provisorischer Altar aufgebaut. Jürgen Truschkewitz vom Bauausschuss des Gemeindekirchenrates weigert sich inzwischen, einen möglichen Fertigstellungstermin für die Kirchensanierung zu nennen. "Unser Zeitplan wurde so oft durchkreuzt, dass ich keine Prognosen mehr wagen will. Wenn es allein nach dem Gemeindekirchenrat gehen würde, wäre die Sanierung längst abgeschlossen", sagt Truschkewitz.

Denn obwohl die Kirchengemeinde die rund 600 000 Euro teure Sanierung zu über 95 Prozent aus eigener Kraft finanziert, haben bei dem Projekt auch der Denkmalschutz und das Kirchliche Bauamt ein Wörtchen mitzureden. Seit Beginn der Sanierungsarbeiten im Jahr 2004 habe sich immer wieder gezeigt, wie schwierig es ist, die Interessen und Vorstellungen aller Beteiligten unter einen Hut zu bringen. "Bei der Fassadengestaltung mussten wir als Kirchengemeinde uns beugen und akzeptieren, dass die Kirche grau gestrichen wird. Wir hätten ein freundlicheres Gelb vorgezogen. Nun bin ich gespannt, ob das von einem Architekturbüro erarbeitete und von der Kirchengemeinde abgesegnete Konzept für die Innenraumgestaltung auch noch einmal gekippt wird", meint Truschkewitz. Immerhin laufe inzwischen das Ausschreibeverfahren.

Warum es so schwer ist, auf einen Nenner zu kommen, erschließt sich der Drebkauer Gemeinde nicht. "Das Innere der Kirche ist sehr schlicht. Größere bauliche Veränderungen sind nicht im Gespräch. Es sind kleine Details, die immer für Diskussionen und Verzögerungen sorgen", kritisiert Jürgen Truschkewitz.

"Uns gefällt das Konzept der Architekten, das die ehemaligen Säulen andeutungsweise aufgreift und die Bibelzitate zurückbringt. Und für die farbliche Gestaltung würden wir einen Grünton vorziehen", sagt Truschkewitz. Ob sich die Kirchengemeinde diesmal mit ihrem Farbwunsch durchsetzen kann, ist offen. Im Gespräch ist laut Truschkewitz auch ein "Schweinchenrosa". Probeanstriche sollen bei der Entscheidungsfindung helfen. "Wir können nur hoffen, dass es bald zu einem Konsens kommt. Alles was wir als Kirchengemeinde wollen, ist, eine frisch renovierte, freundliche Kirche, deren Bausubstanz für das nächste Jahrhundert gesichert ist."

Von Nicole Nocon

Lausitzer Rundschau vom 06. März 2012

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