Denkmäler

von Monika Strehlow

Zollchows Himmelsbote fährt zur Auffrischungskur

Seit über einhundert Jahren schlummern im Museumsdepot von Prenzlau zwei Taufengel. Jetzt soll der für die Zollchower Kirche bestimmte restauriert werden. Zur Überraschung aller Beteiligten meldet sich aus Schwaben eine Spenderin, die die Bezahlung übernimmt.

 
Thoralf Herschel (rechts) und Matthias Schmerbach sehen einen recht angegriffenen, dafür noch komplett erhaltenen Taufengel, dem nur die Taufschale fehlt. Im September soll er, wieder im alten Glanz, in der Zollchower Kirche aufgehängt und zu Taufen genutzt werden.
Foto: Monika Strehlow

Zollchow (ms)

Der Zollchower Taufengel ist gestern nach rund einhundert Jahren in der dunklen Enge des Prenzlauer Kulturhistorischen Museumdepots auf Reisen gegangen. Die Restauratoren Thoralf Herschel, Experte für die Farbfassungen, und "Holzwurm" Matthias Schmerbach montierten der arg lädierten Figur die Flügel ab und fuhren sie nach Falkensee, in ihre gemeinsame Werkstatt.

Nicht nur Museologin Cäcilia Genschow, auch Bernd Janowski strahlte gestern, als der Himmelsbote zur Generalüberholung abgeholt wurde. Das Schnitzwerk aus Lindenholz ist komplett erhalten; lediglich die Taufschale fehlt, sie muss nachgebaut werden. Das ist so selten, dass die Restauratoren mehr als behutsam mit der barocken Reliquie umgingen. Für Cäcilia Genschow, die extra noch Kissen besorgte, erfüllt sich nun ein großer Wunsch. Einer "ihrer" beiden Taufengel, die schon der Museumskatalog von 1908 aufführt, wird in absehbarer Zeit in der Dorfkirche von Zollchow hängen und nach bisherigem Stand künftig die Schale mit dem Taufwasser halten. Zwar ist bis heute nicht geklärt, ob die Figur in dem roten Gewand wirklich aus Zollchow oder vielleicht aus Röpersdorf stammt, das spielt da aber kaum eine Rolle.

Auch Janowski, Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V., freut sich riesig. "Unser Dank gilt einer Stuttgarterin, die die komplette Summe für die Restaurierung übernommen hat." Sie will nicht genannt werden. Aber sie habe sich verliebt in die Figuren der Werkstatt von Johann Christian Beutler, aus der auch die Engel von Sternhagen und Ziemkendorf stammen, erzählte er. Und sie reagierte sofort auf die landesweite Aktion "Menschen retten Engel". Der Verein hatte Ende 2009 die erste Spendenaktion für die brandenburgischen Taufengel gestartet, um die in Vergessenheit geratenen Zeitzeugen des 18. Jahrhunderts zu retten. Insgesamt sollen nur 150 erhalten geblieben sein. 18 Engel konnten so bisher in den Mittelpunkt öffentlichen Interesses gerückt werden, für die 51 000 Euro gespendet wurden, berichtete Bernd Janowski. Damit wurde zum Beispiel der Taufengel von Wismar, Gemeinde Uckerland, restauriert. "Wir hoffen, dass auch der Malchower bald restauriert werden kann, der zur Einweihung der Kirche am 17. Juni wieder hängen soll." Der Himmelsbote für Zollchow, so das Ziel der Restauratoren, soll zum Tag des offenen Denkmals am 9. September fertig sein.

Uckermark Kurier vom 09. März 2012

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