Die rosa Kirche bekommt grüne Flecken

Weil der Denkmalschutz keine Regenrinne möchte, wächst auf der frisch sanierten Dorfkirche von Keller schon das Moos

KELLER - Gerade erst hatten sich die Einwohner von Keller daran gewöhnt, dass die 259 Jahre alte Kirche in ihrem Dorf nun rosa gestrichen ist da kommt der nächste Schock: An der Nordseite des Turmes bilden sich auf halber Höhe grüne Flecken. Moos und Algen bemächtigen sich der Fassade. Für den Bauleiter Wolfgang Schwelgin ist das nichts Ungewöhnliches. Das gleiche Problem gebe es auch bei anderen alten Kirchen, zum Beispiel in Meseberg. Weil die Kirche von Keller ein sehr schönes, geputztes Gesims hat und weil man das bei verputzten Kirchen generell nicht macht, hat auch die Kirche von Keller keine Regenrinnen bekommen. Weil bei Regen das Wasser vom Turm außen an den Wänden herunterläuft und auf der Nordseite nicht so schnell trocknet, haben die genügsamen Pflanzen genug Zeit, sich festzusetzen.

Sehr schade findet das der Lindower Pfarrer Holger Baum: "Der Putz und die Farbe sind noch nicht einmal ein Jahr dran. Ich weiß nicht, ob wir damit leben müssen." Wenn es nach dem Bauleiter und dem Denkmalschutz geht, dann wahrscheinlich schon. Selbst eine Regenrinne könne das Problem nicht lösen, meint Wolfgang Schwelgin. Und selbst wenn: Wer sollte die den dann reinigen in viereinhalb Metern Höhe? Eine alte Kirche müsse eben auch weiterhin regelmäßig gewartet werden, und dazu gehörten regelmäßige Farbanstriche. Selbst der Putz halte nun mal nicht ewig.

Der zuständige Pfarrer will trotzdem noch mal mit der Landesdenkmalbehörde reden, ob nicht wenigstens am Turm eine Dachrinne möglich ist. Die Reinigung sei kein Problem schließlich gibt es Firmen, die auch die Traufe an der Lindower Stadtkirche reinigen und die ist größer als das Kirchlein von Keller.

Jahrelang bröckelte der Putz von der kleinen Dorfkirche in Keller. Und seit Jahren verlangten Bürgermeister und Ortsvertreter, den "Schandfleck" zu sanieren. Als dann Mitte 2009 endlich die Arbeiten begannen, gab es die erste böse Überraschung: Der Schwamm hatte weit mehr Balken im Dach des Kirchenschiffs angegriffen als ursprünglich vermutet. Je weiter die Sanierung voranschritt, desto mehr Schäden durch den zerstörerischen Pilzbefall wurden entdeckt (die MAZ berichtete).

Als im vergangenen Jahr der Turm und die Vorderseite des Kirchenschiffs neu gestrichen wurden, rieben sich manche in Keller verwundert die Augen: Ausgerechnet Schweinchenrosa hatten Restauratoren und Denkmalschützer als historischen Farbton der 1743 errichteten Dorfkirche erkannt und die Fassade entsprechend streichen lassen.

"Mit dem Rosa haben sich die Leute notgedrungen abgefunden", sagt Pfarrer Holger Baum. Das ungebetene Grün aber werde seine Gemeinde schwerlich akzeptieren.

Dabei hat der Geistliche im Moment ganz andere Sorgen. In diesem Jahr sollen auch die Rückseiten der Kirche rosa gestrichen werden. Außerdem steht die Reparatur der Fenster, in denen zum Teil das Glas fehlt, auf dem Bauplan. Und noch sind dafür nicht einmal alle Förderanträge bewilligt.

Dass die Sanierung der Kirche in Keller so lange dauern würde, hatte sich Holger Baum nicht träumen lassen. Ursprünglich waren nur drei Bauabschnitte geplant nun werden es vier. (Von Christian Kranz)

Märkische Allgemeine vom 10. März 2012

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