Glocken aus dem Takt geraten

Oderberg (MOZ) Eine Kirche ohne Glockengeläut - da fehlt einfach etwas. Die Oderberger müssen seit einigen Wochen ohne auskommen. Ursache ist eine defekte Steuerungselektronik. Zwei Glocken sind beim Schwingen aneinandergestoßen, auch der Glockenstuhl wurde dabei beschädigt.

 
St. Nikolai-Kirche, 09.03.2012: Pfarrer Johannes Reimer im Glockenturm. Die elektronische Steuerung der Glocken ist sanierungsbedürftig.
© MOZ/Boris Kruse

Seit 2001 strukturierten vier Glocken in der St. Nikolai-Kirche den Alltag in der kleinen Stadt: Das Friedensläuten um Punkt 12 Uhr, das Abendläuten um 18 Uhr, außerdem der Viertelstundenschlag und der Stundenschlag. Doch seit etwa drei Wochen bleiben zwei der Glocken still. "Sie können zwar noch läuten, aber nur noch handgeschaltet", erklärt Pfarrer Johannes Reimer. Das regelmäßige Geläut ist damit vorerst passé.

Ursache ist die marode Steuerungselektronik. Sie sorgt normalerweise dafür, dass beim Zusammenspiel mehrerer Glocken der jeweils gewünschte Klang ertönt. Außerdem ist sie dafür verantwortlich, dass die in dem filigranen Kirchturm auf engstem Raum untergebrachten Glocken beim Schwingen nicht miteinander kollidieren.

Normalerweise. Denn genau dies ist zuletzt schief gelaufen: Die beiden mittelgroßen Glocken, die im Turm auf einer Ebene hängen, sind beim unkoordinierten Schwingen aneinandergeraten. Nicht nur die Glocken trugen Blessuren in Form von kleinen Eindellungen davon, auch der Glockenstuhl wurde in Mitleidenschaft gezogen, wie Pfarrer Reimer berichtet.

Doch gemessen an vergangenen Zuständen mag all das manchem Oderberger fast schon wie ein Luxusproblem vorkommen. Denn nicht immer hingen stolze vier Glocken im Turm vor dem Albrechtsberg. Eine einzige Glocke ist aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg erhalten: eine 320 Kilogramm schwere Glocke von der Gießerei Schilling in Apolda, die seit 1934 an ihrem Platz hängt. Zwei Glocken wurden 2001 von der Gießerei Perner in Karlsruhe angefertigt; sie bringen 876 und 500 Kilo auf die Waage.

Im Jahr 2004 schließlich wurde ebenfalls bei Perner die kleinste Glocke gegossen, die im Kirchturm ganz oben hängt. Sie ist immerhin 199 Kilo schwer. "All Eure Dinge lasst in der Liebe geschehen", ein Spruch aus dem ersten Brief an die Korinther, steht auf ihrem Korpus. Doch jetzt hängt sie weitgehend nutzlos an ihrem Platz. Und das, weil ihre beiden nächstgrößeren Schwestern unter ihr ins Gehege geraten sind.

Bei Gelegenheit der Reparaturen sollen auch die Stahlklöppel im Inneren der Glocken verändert werden. Sie haben durch die hohe Beanspruchung in den vergangenen Jahren bereits deutliche Spuren im Inneren der Glocken hinterlassen. "So etwas passiert, wenn Stahl auf Bronze schlägt. Um die Glocken zu schützen, sollen die Klöppel künftig mit Messinghammerflächen ausgestattet werden", sagt Johannes Reimer.

Die Reparaturarbeiten und die neue Elektronik kosten rund 4000 Euro. Dafür bitten die Kirchengemeinde nun um Spenden. Wer sich an der Aktion beteiligen möchte, kann einen Betrag auf das Konto 117 787 70 bei der Ev. Darlehnsgenossenschaft eG, BLZ 210 602 37 überweisen.

Dies sind nicht die einzigen Renovierungsarbeiten, an denen die Oderberger Kirchengemeinde derzeit plant. Auf dem Wunschzettel stehen außerdem eine Sanierung der Fußgängerbrücken vom Albrechtsberg zur Orgelempore, die Runderneuerung der Zierelemente auf dem Dach, die Ausbesserung des Mauerwerks...

Märkische Oderzeitung vom 12. März 2012

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