Neue Hoffnung für Grüningen

Fördermittel des Bundes könnten den Anfang für eine dritte Autobahnkirche an der A 2 bedeuten

GRÜNINGEN - Plötzlich musste alles schnell gehen. Zwei Wochen hatte das Kirchspiel Wollin (Flämingtor) Zeit, um sich für eine Teilnahme am Förderprogramm des Bundes zu entscheiden und 70 000 Euro Eigenkapital aufzubringen. Und das alles, um die vor rund 50 Jahren aufgegebene Dorfkirche in Grüningen doch noch zu retten.

"Eigentlich wollte die Kirchengemeinde die Sache später angehen. Und die Diskussion über eine Nutzung war auch nicht abgeschlossen. Doch jetzt hat man uns eine appetitliche Rübe vor die Nase gehalten. Deshalb wollen wir die Chance nutzen", sagte Wollins Pfarrer Thomas Minuth dem Landkurier. Wird der Förderantrag positiv beschieden, reicht das Geld für ein neues Dach. 144 000 Euro sind für diesen ersten Bauabschnitt berechnet worden. Etwa die Hälfte der Summe würde vom Bund kommen. Die 70 000 Euro Eigenkapital beinhaltet auch die vom Caputher Dachdeckermeister Wolfgang Blank zugesagte kostenlose Eindeckung (MAZ berichtete). Den Rest bringen das Kirchspiel und der Kirchenkreis Elbe-Fläming auf. Vor einem Jahr hatte Dachdeckermeister Blank über 1300 Euro als Startkapital für eine Dachstuhlsanierung an den Wolliner Kirchenältesten Marko Krause übergeben.

Ob dem Förderantrag aus Wollin zugestimmt wird, dürfte Pfarrer Minuth bald erfahren, denn das Geld muss noch 2012 verbaut werden. Für einen zweiten Bauabschnitt, der neue Fenster, Putzarbeiten und eine Innenausstattung umfasst, gibt es noch keine Schätzung. Doch ohne weitere Anstrengungen ist eine Nutzung der Kirche nicht denkbar.

Eine neue Vision im Kirchenkreis gibt es schon. Entlang der A 2 wird in Sichtweite eine weitere Autobahnkirche gesucht. Nach Exter bei Herford und Hohenwarsleben bei Magdeburg könnte Grüningen an der Abfahrt Wollin die dritte "Tankstelle für die Seele" auf dieser wichtigen Ost-West-Route werden.

Vielleicht ist es ein gutes Omen, dass es Parallelen zu Hohenwarsleben gibt. Die Kirche wurde 1978 wegen Einsturzgefahr gesperrt, 1998 begann die Rekonstruktion, seit 2002 dient sie täglich Reisenden als Ort der Besinnung. Die Architekten haben bereits ihr Interesse bekundet auch Grüningen herzurichten. Doch so weit ist es noch nicht. "Da sind noch viele Mittel und Absprachen nötig", meint Pfarrer Minuth. Er schwärmt von der tollen Akustik in der Kirche, dessen Innenraum allerdings ein Bild der Verwüstung bildet. Parkplätze und Sanitäranlagen müssten her. Autobahnkirchen werden jährlich von mehreren tausend Menschen angesteuert. (Von Frank Bürstenbinder)

Schon abgeschrieben

Frank Bürstenbinder über den Versuch, die Grüninger Kirche mit Fördermitteln zu retten.

Es ist wohl der letzte Versuch. Mit Geld aus einem Förderprogramm des Bundes zur Denkmalpflege ließe sich der Verfall der Grüninger Kirche abwenden. Ein neues Dach würde Ansporn für einen zweiten Bauabschnitt sein. Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Gotteshaus regelrecht ausgeweidet. Das Gestühl ist geplündert, die Orgel zerstört. Vom Fußboden fehlen Steine, die einst mit Bleiglas besetzten Fenster sind mit Brettern vernagelt. Die Menschen im Dorf hatten ihre Kirche schon abgeschrieben. Mit der Aussicht auf Fördermittel keimt neue Hoffnung. Doch zu klären ist die Frage, wie die Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes in Zukunft aussehen soll. Die nahe Wenzlower Kirche reicht aus, um allen Gemeindegliedern ein geistiges Zuhause zu bieten. Da passt es gut, dass eine weitere Autobahnkirche an der A 2 gesucht wird. Ob Grüningen in das Raster passt, muss sich zeigen. Auf alle Fälle stehen einige Jahre harter Arbeit ins Haus. Pfarrer Thomas Minuth will dafür ein optimistisches Zeichen setzen. Zum ersten Mal seit rund 50 Jahren soll es am Ostersonntag zu früher Stunde wieder einen Gottesdienst in Grüningen geben. Eine gute Wahl. Mit dem Sonnenaufgang wird der Auferstehung Jesu Christi gedacht. Neues Leben können auch die Mauern gut gebrauchen.

Märkische Allgemeine vom 13. März 2012

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