Unters Kirchendach gestiegen

Chorin (MOZ) "Unmögliches erledigen wir sofort, Wunder dauern etwas länger", heißt es. Das Wunder von Brodowin dauerte etwa anderthalb Jahre. Dann stand die Finanzierung. Vor einigen Wochen begann die Sanierung des Gotteshauses.

 
Im Gebälk der Kirche Brodowin knirscht und rieselt es.   © MOZ/Thomas Burckhardt
Die alten Dachziegel sind bereits abgenommen.
© MOZ/Thomas Burckhardt

Es schlägt 13 Uhr. Und Pfarrer Andreas Lorenz freut sich. Glockengeläut und Uhren funktionieren wieder. Noch im alten Jahr konnte beides dank Spenden repariert bzw. erneuert werden. Seither wissen die Brodowiner wieder, was die Stunde geschlagen hat. Auch wenn dem Glücklichen eigentlich keine Stunde schlägt.

Und glücklich ist Andreas Lorenz nun wahrlich. 2011 war der Fördermittelbescheid für die Sanierung der Kirche ins Pfarrhaus geflattert, jetzt haben die Arbeiten begonnen. Ursprünglich sollte die Restaurierung in zwei Abschnitten und über zwei Jahre erfolgen. Nach dem aktuellen Zeitplan wollen die Handwerker alles 2012 schaffen. "Ein sehr ehrgeiziges Ziel", wie der Pfarrer findet.

Nachdem in einer ersten Etappe 2005/06 der Turm saniert worden war, rücken die Restauratoren nunmehr dem Kirchenschiff zu Leibe. Von außen und von innen. 560 000 Euro sind für die Hüllensanierung und die Innenrenovierung veranschlagt, 320 000 Euro steuern das Land bzw. die EU bei.

Ziel der Arbeiten sei es, dem Gotteshaus wieder sein Originalaussehen von 1853 zu geben. Die Restauratoren orientieren sich also an Baumeister Stüler, von dem die Entwürfe für die Kirche stammen, sowie an historischen Befunden. So mancher Besucher werde sich wundern, glaubt Lorenz. Denn: "Mit mutigen Farben wollen wir Lebendigkeit in die Kirche bringen."

Die aktuelle Farbgebung - Weiß an den Wänden, dunkle Töne fürs Gestühl - habe wenig mit dem Original zu tun. Künftig werden an den Wänden Braun-Töne dominieren (im Sockelbereich ein dunkleres Braun, oberhalb ein Cappuccinoton), die mit einer "bunten" Bordüre voneinander abgesetzt sind. Das Gestühl erscheine dank einer Bierlasur freundlicher.

Doch bevor es ans Malen geht, muss die alte Farbe runter. Parallel arbeiten Firmen an der Fassade und am Dach. Die alten Ziegel sind bereits abgenommen. Der Dachstuhl muss erneuert werden. "Es gibt keinen Balken mehr, der gesund ist", bestätigt Mirco Schneider vom Architekturbüro. Hausschwamm und Holzwurm haben dem Dachstuhl zugesetzt. Der Fachmann spricht von einem "dramatischen" Befall. Der Schwamm ziehe sich beispielsweise über die gesamte Nordseite. Alle Sparren müssen ausgewechselt werden. Nach historischem Vorbild erhalte das Dach dann wieder eine Schiefereindeckung, so Schneider.

Unterdessen ist auch die Ursache für die hässlichen Flecken an den Innenwänden klar. Unter anderem durch eine unsachgemäße Farbgebung in den 1950er Jahren habe sich Kondenswasser gebildet. "Diese Feuchtigkeit schlägt sich an den Wänden nieder", erklärt Dana Ratz von der Denkmalbehörde beim Landkreis. Der Einbau einer Heizung soll dies künftig verhindern. Nicht zu retten ist das Gestühl. Es ist schon demontiert und wird "eins zu eins nachgebaut", so Lorenz. Die Fenster werden derzeit in einer Berliner Werkstatt aufgearbeitet. Gottesdienst hält Pfarrer Lorenz während der Bauphase im Gemeindehaus ab. "Ostern feiern wir in der sehr schön sanierten Kirche Schmargendorf und Himmelfahrt am Seeufer."

Für den Brodowiner Kirchensommer sei er noch auf der Suche nach Alternativen. "Mit der Aussicht auf eine wunderbar restaurierte Kirche wird das Kulturfest ein dürres Jahr erleben", sagt der Pfarrer unter Verweis auf das abgespeckte Konzert-Programm 2012, das nur vier Veranstaltungen ausweist.

Die Kirche Brodowin ist nicht das einzige Gotteshaus im Kreis, in dem zurzeit gebaut wird. Handwerker bestimmen laut Dana Ratz u. a. auch in Groß Ziethen, Lindenberg, Schönwalde das Bild. "Nicht zu vergessen das Kirchenschiff im Kloster Chorin", so die Denkmalschützerin. Gleichwohl gibt es nach wie vor Sorgenkinder. So wartet die Kirchengemeinde Golzow noch immer auf einen Bewilligungsbescheid.

Märkische Oderzeitung vom 27. März 2012

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