Rettung für den schiefen Turm

Geld zur Sanierung der Dorfkirche in Cammer / Reparaturen bis 2014 geplant

CAMMER - Im kommenden Juli beginnt die Sanierung des Kirchturms in Cammer. Möglich wird das durch einen Förderbescheid. Kulturministerin Sabine Kunst (parteilos) übergab der Kirchengemeinde symbolisch rund 52 500 Euro. Das Geld aus dem Kirchenstaatsvertrag wird durch genau die gleiche Summe aus Zuwendungen der Landeskirche und des Kirchenkreises ergänzt.

"Der Turm ist schräg und schief, das Gebälk verfault und ist stark beschädigt", schilderte Architekt Max Vogt die Notwendigkeit einer Sanierung. Seiner Ansicht nach wurde vor 35 Jahren der falscher Putz verwendet. Er ließ die Kirche nicht atmen und hielt die Feuchtigkeit im Mauerwerk und im Holz fest. "Es sind Konstruktionsteile herausgefallen, die Standsicherheit ist gefährdet", sagte er.

Die Ministerin staunte: "Als ich hierher kam, hätte ich nicht erwartet, alle in der Kirche zu treffen, da doch der Turm schief sein soll." Für sie ist eine Kirche immer noch ein gesellschaftlicher Mittelpunkt in einem Ort. "Eine Kirche ist viel wichtiger als eine Kneipe", sagte Kunst.

Pfarrer Jens Meiburg stimmte dem zu. "50 Prozent der Dorfbewohner gehören der evangelischen Kirche an", berichtete er nicht ohne Stolz. Dabei vergaß er nicht zu erwähnen, dass bei der jüngsten Sanierung vor 35 Jahren das ganze Dorf mit angepackt hat. "Nur dadurch konnte das Gebäude an die heutige Generation weitergegeben werden, wir wollen es den nächsten Generationen ebenso weiter geben", sagte der Geistliche.

Die Kirchturmsanierung ist der erste Bauabschnitt. Jetzt erstellen Experten ein Holzgutachten und ein Leistungsverzeichnis, dann folgt der Bauantrag. "Im Juli können wir dann beginnen", sagte Architekt Vogt.

Im nächsten Jahr ist die Sanierung des Kirchenschiffes geplant. Anschließend ist die Installation einer Regenentwässerung vorgesehen, damit das Wasser nicht mehr die Fundamente schädigt. Die Gesamtkosten gibt der Baumeister mir rund 330 000 Euro an.

Annerose Lukas gehört zum Gemeindekirchenrat. "Wir haben ganz viele Jahre für die Sanierung gekämpft, ich bin ganz stolz, dass es jetzt losgehen wird", sagte sie.

Auch Bürgermeister Ulf Dingelstaedt ist voller Freude: "Was die Gemeinde machen konnte, haben wir gemacht, wir werden die Kirche auch weiter unterstützen", versprach der Ortschef.

Als der Gemischte Chor Cammer zum Halleluja anhob, sah man ausschließlich zufriedene Gesichter. Damit Ministerin Kunst den Ort nicht vergisst, überreichte ihr der Dorfverein eine DVD und einige Karten zu den Sehenswürdigkeiten von Cammer.

Im Jahr 2014 soll die Baumaßnahme abgeschlossen sein. "Dann muss es an die Orgelreparatur gehen", erklärte der Pfarrer. (Von Andreas Koska)

Märkische Allgemeine vom 02. April 2012

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