Notoperation an der Laubster Kirche

Turm drohte zu kippen / Laterne und Haube wurden abgenommen

LAUBST Es war ein historischer Moment, den viele Laubster mit ihrem Foto- und Videokameras festhalten wollten. Und es war ein wehmütiger Moment für die Einwohner des kleinen Dorfes, als am Dienstag ein Kran die Spitze ihres Kirchturms abnahm.

  
Nach der Laterne hob der Kran auch die komplette Haube des Laubster Kirchturms ab.
Fotos: Nicole Nocon
Horst Schulze mit Erinnerungsfotos an seine Turmsanierung in den 1960er-Jahren.

Schon von der Autobahn aus konnte man ihn sehen, den Turm der Laubster Kirche. Nun hat sich die Silhouette des Dorfes verändert. Am gestrigen Dienstag sind Spezialisten angerückt, um die Laterne und die Haube, die den Kirchturm bislang krönten, Stück für Stück zu demontieren.

"Da kommen die Kircheneinreißer", kommentierte Olaf Schulze nicht ohne Bitterkeit. Sein Vater Horst Schulze hatte in den 1960er-Jahren den Kirchturm eigenhändig saniert. In seinem Fotoalbum hat er Bilder von damals aufgehoben. Mit dem Album unter dem Arm musste der alte Mann nun zusehen, wie die Turmspitze abgetragen wurde.

Gefahr im Verzug

Laut Architekt Uwe Mücklausch war der radikale Schnitt aber unumgänglich. "Die Holzkonstruktion der Haube ist völlig marode. Die Balkenauflager sind kaputt. Seit wir im Januar zuletzt hier waren, sind weitere Auflager weggebrochen. Der komplette Turm drohte wegzukippen. Es ist ein Wunder, dass er so lange gehalten hat", erklärte er.

Als sich die Seile des Krans gestern Vormittag zum ersten Mal spannten, hielten alle Zuschauer die Luft an. Zuerst schwebte die drei Tonnen schwere Laterne des Turms samt Wetterfahne und Kreuz gen Boden. Wohlbehalten wurde sie auf dem Kirchhof abgesetzt. Die eigentliche Zitterpartie stand aber noch bevor. Denn auch die Haube sollte möglichst in einem Stück abgehoben werden. Ob das gelingen würde, war unsicher. "Der Backsteinsims ist locker. Es könnte sein, dass er wegbricht und Steine herunterfallen, wenn die Haube angehoben wird", befürchtete Uwe Mücklausch. Der Vormittag schritt voran. Die Schaulustigen blieben auf dem Posten, die Kameras im Anschlag. Dann spannten sich erneut die Seile. Aber nichts passierte. Die Haube saß fest. Die Experten diskutierten. Die Beobachter konnten sehen, wie sich Handwerker im Inneren der Haube zu schaffen machten.

Unter den Wartenden, zu denen auch die Ortsvorsteherin, der Pfarrer sowie Vertreter der Unteren Denkmalbehörde des Kreises und des Kirchlichen Bauamtes zählten, herrschte unterdessen Einigkeit: Die Demontage des Turms war unumgänglich, aber er soll wieder aufgebaut werden. Das wurde vielfach beteuert vor allem auch gegenüber Horst Schulze. An Bekundungen guten Willens mangelte es nicht. Einig waren sich die Beteiligten aber auch über das Hauptproblem: die Finanzierung. Immerhin werden die Kosten für die Sanierung des Kirchturms auf 400 000 bis 500 000 Euro geschätzt. Die Untere Denkmalbehörde kündigte an, dass für das kommende Jahr ein Antrag auf Fördermittel gestellt werde. Doch damit Zuschüsse fließen, muss auch ein Eigenanteil aufgebracht werden. "Den können weder die Kirchengemeinde noch das Dorf aufbringen. Was wir brauchen, sind Sponsoren", sagte Pfarrer Robert Marnitz. "Die Laubster geben, was sie können. Ihre Kirche liegt ihnen allen am Herzen, nicht nur den Kirchgängern", betonte Ortsvorsteherin Ute Schmidt.

Hoffen auf Wiederaufbau

Während die Handwerker weiter in der Kirchturmhaube werkelten, wurden Ideen und Aktionen diskutiert, die Geld für die Kirchensanierung einbringen könnten. Und plötzlich bewegte sich die Haube doch. Langsam hob sie sich vom achteckigen Unterbau des Turms. Der Backsteinsims hielt. Als der Kran die Haube sicher auf einem Holzpodest abgelegt hatte, machte sich Erleichterung breit. Zur Abdichtung des Turms wurde am Nachmittag ein Notdach montiert. "Das wird erst mal zwei Jahre halten. Bis dahin ist Zeit, um Wege für die Sanierung zu finden", sagte Architekt Uwe Mücklausch. Horst Schulze hofft jedenfalls, dass er den Wiederaufbau des Turms noch miterleben kann.

Nicole Nocon

Lausitzer Rundschau vom 25. April 2012

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