Schlichter Rahmen für Altar

In der Wusterwitzer Dorfkirche soll die Dauerleihgabe voll zur Geltung kommen

WUSTERWITZ - Klaus Jacob arbeitet freihändig. Am Rand des Apsisbogens hat er mit Pinsel und Farbe ein rotbraunes Band gezogen und daneben ein Perlstab-Ornament in Schwarz aufgebracht. Inzwischen ist das Gerüst abgebaut, denn am Sonnabend findet in der Wusterwitzer Dorfkirche eine Trauung statt. Zwei Wochen muss alles trocknen, dann geht es im Sockelbereich weiter. Bis Pfingsten soll Jacob fertig sein, dann wird der Altar erwartet.

Der Restaurierungsbetrieb aus Ketzür ist von Anfang an in die seit 2004 mit Unterbrechungen laufende Sanierung der im Kern mittelalterlichen Wusterwitzer Feldsteinkirche involviert. Die Ausmalung der Apsis bildet den Schlusspunkt der baulichen und gestalterischen Arbeiten. Zuvor hatte Jacob im 109 Jahre alten Putz die oberen Fehlstellen geschlossen. Den unteren Bereich musste er neu verputzen. "Denn er zieht Feuchtigkeit von außen und Salze aus dem Feldsteinmauerwerk", erklärt der Fachmann. "Es ist ein so genannter Opferputz, der alle paar Jahre erneuert werden muss." Passend zum Kirchenschiff hat die Apsis hellgraue Leimfarbe erhalten. Das Schmuckband findet sich an mehreren Stellen wieder, etwa an den Fenstern.

Ursprünglich sollte ihre Gestaltung in Anlehnung an die Ausmalung von 1903, die später überstrichen wurde, üppiger ausfallen. Schließlich haben sich Architektin Heidrun Fleege, Denkmalpflege und Kirchengemeinde für einen neutralen Hintergrund entschieden, damit der mittelalterliche Altar besser zur Geltung kommt. Dabei handelt es sich um eine Dauerleihgabe des Kunstmuseums Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg. "Wir hoffen, dass wir ihn zu Pfingsten einweihen können", sagt der Wusterwitzer Pfarrer Siegfried Lück. Derzeit befindet sich das gute Stück, das durch eine jahrelange Odyssee nicht im besten Zustand war, in der Werkstatt des Berliner Restaurators Dirk Jacob. Dort wird er seit Herbst vorigen Jahres umfangreich instand gesetzt. Ermöglicht hat dies IHK-Präsident Victor Stimming. Der Wusterwitzer hatte zu seinem 60. Geburtstag auf Präsente verzichtet und stattdessen eine Spendenaktion für den Altar angeregt, bei der 13 000 Euro zusammenkamen.

In der Wusterwitzer Kirche wird der Altar, der vermutlich einst im benachbarten Gollwitz stand, auf dem gemauerten Sockel seinen Platz finden. "Hier muss es mal einen Altar gegeben haben", so Lück. "Doch selbst in alten Chroniken ist darüber nichts erwähnt." Die Dauerleihgabe mit der von Heiligen umgebenen Jungfrau Maria mit Kind soll vor der schlichten Apsis die Blicke auf sich ziehen. (Von Claudia Nack)

Märkische Allgemeine vom 26. April 2012

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