"Die Kirche muss im Dorf bleiben"

Wandlitz (MOZ) In diesem Jahr unterstützt Wandlitz Sanierungsmaßnahmen an den Kirchen von Schönerlinde, Schönwalde und Wandlitz mit 83600 Euro. Doch die Gaben sind heftig umstritten.

 
Evan. Kirche in Wandlitz-Dorf am 27.04.2012
© MOZ/Sergej Scheibe

Im Jahre 2010 wurde der Glockenturm der Schönerlinder Dorfkirche saniert. Nun sollen die Deckenbalken erneuert werden. 40000 Euro wird das kosten. Die Hälfte des Geldes möchte die evangelische Kirchengemeinde als Investitionskostenzuschuss von der Kommune.Die evangelische Kirche in Wandlitz braucht dringend ein neues Dach für das Kirchenschif. 197500 Euro sind dafür veranschlagt - von der Gemeinde erhofft sie sich einen Zuschuss von 30000 Euro.

Anlässlich des 75. Kirchweihjubiläums soll das katholische Gotteshaus in Wandlitz umfangreich saniert werden. Ein Drittel der Gesamtkosten von 90000 Euro beantragte die Kirchgemeinde als Zuschuss aus dem kommunalen Haushalt. Und die Vierte im Bunde, die evangelische Kirchengemeinde Schönwalde, braucht Unterstützung bei der Bezahlung des Friedhofsgärtners in Höhe von 3600 Euro.

Als die Wandlitzer Gemeindevertreter am Donnerstag über die Zuschüsse beschließen sollten, entspann sich eine heftige Debatte darüber, ob es Aufgabe der Kommune ist, die Kirchen finanziell zu unterstützen. Niels Neudeck (Linke) bezweifelt das. Die Kirchen seien der größte Grundstückseigentümer, auch in Wandlitz, argumentierte er unter anderem. Er halte es für falsch, der Institution Kirche, die so reich sei, mit kommunalem Geld zu versorgen. Oliver Borchert (Freie Wähler) sah das ganz anders. "Die Kirchen gehören zum Ortsbild dazu". Insofern seien Investitionskostenzuschüsse der Gemeinde durchaus gerechtfertigt. Auch Manfred Häser (Linke) widersprach seinem Fraktionskollegen Neudeck. "Es gibt einen Unterschied zwischen der Kirche als Institution und der Kirche als Kulturdenkmal", erklärte der Basdorfer. Bürgermeisterin Jana Radant unterstützte diese Auffassung: "Kulturgüter müssen wir erhalten", sagte sie. "Die Frage ist, ob das Geld aus unserem Topf kommen muss", widersprach die Bündnisgrüne Marita Kalinowski. "Geld ist bei den Kirchen doch vorhanden."

"Es geht nicht um arm oder reich, sondern darum, dass die Kirche im Dorf bleiben muss", belehrte sie Dietmar Seefeldt (SPD). Die Mehrheit sah das genauso und segnete die Zuschüsse für die Kirchen dann doch ab.

Märkische Oderzeitung vom 27. April 2012

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