Letzte Kriegsschäden beseitigt

Sanierte Kirche und Glocken in Brück-Rottstock werden morgen feierlich neu geweiht

BRÜCK - Die Sanierung der Kirche in Brück-Rottstock ist nach einer fast zwei Jahre währenden Bauphase nun beendet. Damit sind die letzten, noch aus dem Zweiten Weltkrieg stammenden Schäden, beseitigt. 1943 wurde der sakrale Bau durch einen Bombeneinschlag in der Nähe der Friedhofsmauer stark in Mitleidenschaft gezogen. Infolge der Druckwelle barsten Dach und Fenster. Erst im Jahr darauf konnten die Schäden notdürftig repariert werden. Während das Dach in kommenden Jahrzehnten wiederholt ausgebessert wurde, behielten die Kirchenfenster ihre Notverglasung. Sie wurden erst im Rahmen der jetzt erfolgten Sanierung für 17 000 Euro ausgetauscht.

Mit weiteren 147 000 Euro wurden Dach und Fassade sowie in einem zweiten Bauabschnitt für 67 000 Euro der Turm saniert. Damit ist der Bau aus dem 13. Jahrhundert für die kommenden 100 Jahre gut gerüstet. Die Weihe des Gotteshauses und der im September 2011 gegossenen "Jesus ruft"-Glocke wird an diesem Sonntag vollzogen.

Im Verlauf des Nachmittags werden dann sowohl die neue als auch die restaurierte Glocke aus dem Jahr 1248 ihren Weg in den Glockenstuhl antreten, bevor am Abend die neue "Jesus ruft"-Glocke zum ersten Mal erklingt. Das Geläut wird dann, nach 66 Jahren, wieder vervollständigt sein. Die renovierte Rottstocker Zuckerhutglocke ist der viertälteste datierte Klangkörper in Deutschland und der älteste in Brandenburg.

Am 26. März 2011 hatte die Glocke erstmals nach 763 Jahren ihren Platz im Kirchturm verlassen. Glockenbauer Peter Glasbrenner holte sie zur Sanierung in seine Werkstatt. Die Notwendigkeit resultierte aus einem Anfang der 1970er-Jahre gemachten Fehler. Damals hatten Handwerker der Glocke die Krone abgesägt, um das Läuten zu erleichtern. Sie veränderten dadurch aber die Aufhängung.

Bei den Vorbereitungen für die morgige Zeremonie der Glocken- und Kirchenweihe ließen sich die Organisatoren auch von der Vergangenheit inspirieren: Genau wie vor 104 Jahren, als die Kirche am 31. Oktober 1907 nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten neu geweiht wurde, soll der Ort ein Festkleid anlegen. Damals war Rottstock noch ein eigenständiges Dorf, in dem sich nur die Dorfstraße zu einer "Feststraße" verwandelte. Heute gehört der Ort zur Stadt Brück und die Feststraße für die Prozession wird 3,3 Kilometer lang sein.

Das Zauch-Belziger Kreisblatt berichtete im Jahr 1907: "Grüne Tannen prangten zu beiden Seiten, Ehrenpforten riefen den Festgästen ein herzlich Willkommen zu. Feststimmung las man auf allen Gesichtern." Drei Jahre und sechs Monate nahm die Instandsetzung der Kirche damals in Anspruch. "Nun steht sie da im neuen Schmuck auswendig, und im Innern von dem Architekten Blaue im Sinne und in der Art der alten Zeit würdig neu gemalt." Während Se. Majestät der Kaiser und König die Einweihung zum Anlass nahm, um dem Rottstocker Pfarrer Johanning den Kronenorden III. Klasse, dem Kantor Noack den Adler des Hochzollernordens, dem Ortsvorsteher Birkholz das Kreuz zum Allgemeinen Ehrenzeichen und dem Kirchenältesten Kühne das Allgemeine Ehrenzeichen zu verleihen, wird der gegenwärtige Pastor Helmut Kautz am 6. Mai zum Pfarrer der Gemeinde berufen.

In der hiesigen Presse, die vor 104 Jahren durch Alexander Mallwitz, den Herausgeber des Zauch-Belziger Kreisblatts vertreten war, konnten man später den Wunsch vernehmen, dass "der kirchliche Sinn, den die Väter zu aller Zeit in dieser Gemeinde gezeigt haben, das Erbteil der Kinder sein möge". Ein Anliegen, das die heutigen Rottstocker vermutlich teilen. (Von Bärbel Kraemer)

Märkische Allgemeine vom 05. Mai 2012

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