Barockkirche Ahlsdorf

Gemeinde hofft auf ein neues Dach

Die Barockkirche in Ahlsdorf ist einsturzgefährdet. Der schwebende Taufengel hängt nicht mehr lange sicher und trocken ein Teil der Decke liegt bereits unten. Die Gemeinde wartet auf Fördermittel.

 
Pfarrer Volkmar Homa steht in der Kirche von Ahlsdorf vor dem Altar. In der Dorfkirche ist im August 2011 das halbe Dach heruntergekommen. Seitdem ist der Bau einsturzgefährdet, der Taufengel hängt sprichwörtlich nur noch an einem seidenen Faden.
Foto: dapd

Schönewalde (dapd)

Vorsichtig öffnet Pfarrer Volkmar Homa die knarrende Holztür der alten Kirche in Ahlsdorf. Er schaut sich zunächst gewissenhaft um und betritt dann den in Staub gehüllten Saalbau. Vor dem Altar liegt ein großer Schutthaufen, der im August vergangenen Jahres von der Decke kam. Seitdem klafft ein Loch im Dach, das notdürftig überdeckt wurde, die Kirche wurde gesperrt. "Es muss schnell etwas getan werden, damit das Gebäude nicht einstürzt", sagt der 54-Jährige.

Im Vorderteil des barocken Gotteshauses in dem Ortsteil von Schönewalde (Landkreis Elbe-Elster) schwebt ein Taufengel an einem Stahlseil über dem Boden. An den Seiten der ehemaligen Patronatskirche befinden sich verschiedene Epitaphe, also Grabplatten, der einstigen Schutzherren. Viele seltene Details zieren die Wände. "Die Kirche zählt zu den schönsten und schmuckreichsten Dorfkirchen Brandenburgs", ist Pfarrer Homa überzeugt. Von dem Einsturz des Daches wurde er völlig überrascht. "Es gab keine Anzeichen dafür."

Altar durch Deckeneinsturz nur leicht beschädigt

Renate Hertel war dabei, als die Decke herunterkam. "Wir hatten ein Familientreffen und wollten gerade die Kirche besuchen", erinnert sich die Anwohnerin. Plötzlich sei lauter Lärm zu hören gewesen, "dann kam aus der Seitentür Staub herausgewirbelt". Der Einsturz habe alle überrascht, erinnert sich Hertel. "Zum Glück wurde niemand verletzt." Der historisch wertvolle Altar wurde nur leicht beschädigt. "Zwar sind einige hölzerne Verzierungen abgebrochen, insgesamt ist der Schaden aber gering", sagt Pfarrer Homa noch jetzt erleichtert. "Es hätte alles viel schlimmer kommen können."

Ein Gutachten hat den Schaden und die Ursachen für den Einsturz ermittelt. "Die hölzerne Dach- und Deckenkonstruktion war von Braunfäule befallen", sagt Volkmar Homa. Jahrelange Feuchtigkeit sei die Ursache dafür gewesen. Vermutlich gehe der Pilzbefall auf Wasserschäden an der Decke zurück, die es bereits in den 1970ern gegeben habe. "Zwar wurden die undichten Stellen geflickt, das war aber anscheinend nicht ausreichend", vermutet Homa.

Die Kirchengemeinde wartet nun auf die Bewilligung der Förderanträge. 637 000 Euro sind für die Sanierung des Daches insgesamt notwendig, ergab das Gutachten. "Die gesamte Holzkonstruktion muss ersetzt werden, sonst droht anderen Bereichen das gleiche Schicksal", sagt Homa. Er hofft, dass der Bescheid in den nächsten Wochen eintrifft, damit noch in diesem Sommer mit den Arbeiten begonnen werden kann.

Gotteshaus 1710 komplett umgebaut

"Die Reparaturarbeiten sind dringend nötig", appelliert auch Hans-Werner Unger, Vorsitzender des Förderkreises "Barockkirche Ahlsdorf", an die Entscheidungsträger der Landesregierung in Potsdam. Denn ob die provisorische Abdichtung noch einen Winter lang hält, sei völlig ungewiss, sagt er. Außerdem fehle der Gemeinde ihre Kirche.

Die Dorfkirche in Ahlsdorf geht auf eine Ende des 14. Jahrhunderts erbaute Feldsteinkirche zurück, wie die Inschrift über dem Südportal belegt. 1710 wurde das von einem Friedhof umgebene Gotteshaus umgebaut. 1908 erfolgte eine komplette Restaurierung des reich ausgestatteten Inneren und schlichten Äußeren der Kirche. An den Wänden befinden sich unter anderem vier Epitaphe, die die einstigen Schutzherren der Patronatskirche abbilden. Außergewöhnlich sind der barocke Altar, die Holzkanzel und ein schwebender, etwa ein Meter großer Taufengel. Der rechteckige Bau besitzt einen geraden Chorabschluss.

Nordkurier vom 14. Mai 2012

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