Kolpiens Kirche ist wieder sicher

Am morgigen Sonntag findet der erste Gottesdienst nach vierjähriger Baupause statt

KOLPIEN Erstmals nach vier Jahren Pause werden die Kolpiener am Sonntag Gottesdienst in ihrer Kirche feiern. Dem denkmalgeschützten Bau aus dem 13. Jahrhundert (Dorfkirche des Monats September 2009) hatte der Einsturz gedroht. Ein Stahlkorsett in den Feldsteinwänden und ein neues Dach machen ihn wieder sicher.

 

"Die Risse in der Wand waren armdick. Der Windzug hat sogar die Kerzen am Weihnachtsbaum ausgeblasen", erinnert sich Waltraud Sprenger. "Vögel nisteten sich ein, unter dem kaputten Dach hauste der Marder", sagt die 86-Jährige, die seit vielen Jahren als gute Seele der Gemeinde das Gotteshaus schmückt, den Vorplatz pflegt. Weil aber auch im benachbarten Schöna eine umfassende Kirchensanierung nötig war, hatten die Kolpiener die Hoffnungen für ihr Gotteshaus fast schon aufgegeben, erzählt sie.

Im Jahr 2008 schließlich bewilligte das Brandenburgische Kulturministerium 87 000 Euro für eine umfangreiche Sicherung. Insgesamt 158 000 Euro kostete dieser Bauabschnitt, in den auch Mittel der Kirchenbaustiftung, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie eigenes Geld der Gemeinde einflossen, erklärt Architekt Thomas Kuhn. Ein gewaltiger Ringanker aus Stahl, der durch die gesamte Länge und Breite der Kirchenwände getrieben wurde, gibt dem Kirchenschiff wieder Stabilität. Die Risse seien abgedichtet worden. Zudem wurden Schäden am Dachstuhl behoben und das Dach neu eingedeckt, so Thomas Kuhn.

Ein Pilz im Fußboden

Als für Innenarbeiten die Bänke herausgenommen wurden, trat ein weiteres Problem ans Tageslicht. "Ein Pilz hatte den Holzunterbau der Bänke zerfressen", so Thomas Kuhn. Nochmals 24 000 Euro seien nötig geworden. Geld, das die Gemeinde selbst nicht hatte. Hilfe kam aus verschiedenen Fördertöpfen sowie vom Kirchenkreis. Im Jahr 2011 konnten die Arbeiten fortgesetzt werden. Handwerker sanierten den Fußboden, festigen und strichen den Putz des Innenwandsockels.

"Nun können wir endlich wieder gefahrlos Gottesdienst feiern", sagt Gemeindekirchenrätin Evelin Müller. "Drei junge Familien warten schon darauf, ihre Kinder in der eigenen Dorfkirche taufen zu lassen", gibt sie ein Beispiel für die Vorfreude im Dorf. Während der Schließzeit seien die Kolpiener nach Schöna zum Gottesdienst gegangen, ergänzt Sylvia Schmidt vom Gemeindekirchenrat. Doch das sei nicht dasselbe. "Ich bin in der Kolpiener Kirche getauft und später dort getraut worden, sie ist ein Teil meines Lebens", sagt Sylvia Schmidt.

Nächster Brennpunkt: Turm

Wenn sich am Sonntag die Pforten des Gotteshauses öffnen, sei ein wichtiges Etappenziel geschafft, doch für die Zukunft bleibe noch viel zu tun, blickt Evelin Müller voraus. Besonders auf den Nägeln brenne der marode Turm. Dort dringe massiv Regenwasser ein, Fenster müssten erneuert, schadhafte Klinker ausgetauscht, Sandsteinabdeckungen am Turm restauriert und mit schützendem Blech versehen werden. Das Investitionsvolumen für eine Komplettsanierung beziffert Architekt Kuhn auf 125 000 Euro. Für dieses Jahr seien aus Kostengründen zunächst Arbeiten im unteren Turmteil ins Auge gefasst, kündigt der Fachmann an. Dafür stünden bislang 18 000 Euro bereit. Weitere Mittel seien beantragt.

Irgendwann einmal, davon träumen Evelin Müller und ihre Mitstreiter aus der Gemeinde, wird auch genug Geld da sein für eine Restaurierung der wertvollen barocken Innenausstattung des Gotteshauses. "Aber erst einmal sind wir einfach nur glücklich über das Erreichte", sagt sie.

Zum Thema:

Historisches. Das Gotteshaus stammt aus dem späten 13. Jahrhundert. Zur Ausstattung gehören ein Renaissance-Taufbecken mit Sandsteinaufsatz aus dem Jahr 1619, die barocke Kanzel sowie der Altaraufsatz aus dem frühen 18. Jahrhundert.
Einweihungsfest. Der Gottesdienst, der vom Posaunenchor aus Rosenthal begleitet wird, beginnt am Sonntag um 13.30 Uhr. Es schließt sich eine Kaffeetafel im Kirchgarten an. Thomas Kuhn wird noch einmal an wichtige Etappen der Kirchensicherung erinnern. Für die kleinen Besucher soll ein Kinderfilm gezeigt werden. Gäste aus nah und fern seien eingeladen, den besonderen Tag mit den Kolpienern zu begehen, sagt Evelin Müller.

Lausitzer Rundschau vom 19. Mai 2012

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