Das Jahr der Türme

Auch die Premsliner freuen sich darauf, dass das Wahrzeichen ihrer Kirche bald wieder hergerichtet wird

PREMSLIN - Als sich Bauexperten vor nicht allzu langer Zeit ein Bild von den Schäden am Premsliner Kirchturm machen wollten, mussten sie schon schwer schlucken. Einer der Schieferplatten, mit der das Bauwerk eingedeckt ist, steckte lotrecht im Boden. Zum Glück befand sich zum Zeitpunkt des Absturzes kein Mensch in der Nähe. Umso erleichterter sind jetzt die Mitglieder der Kirchgemeinde, dass der arg von der Witterung in Mitleidenschaft gezogene Turm jetzt saniert wird.

Keinen leichten Job haben da die Arbeiter, die Turm und Fassade mit einem Gerüst versehen. Zum einen verjüngt sich das Bauwerk nach oben hin sehr stark, zum anderen ist die Kirche so dicht mit Bäumen bestanden, dass es mitunter Platzprobleme gibt.

Die Planungen der Turmsanierung hat das Architekturbüro von Peter Wieck in Perleberg übernommen. In dessen Auftrag betreut Sohn Matthias Wieck das Projekt. Ihm zufolge hat das Gebäude sehr stark gelitten mit den Jahren, da die Fachwerkkonstruktion des Turms zwar seitlich von Feldsteinen eingefasst ist, aber nach unten hin ohne besondere Verankerung auf dem Boden aufliegt. Der ganze Eingangs müsse auch schon deshalb neu gebaut werden, weil es dort einige Stufen gebe, die älteren Menschen das Betreten der Kirche sehr erschweren.

Rekonstruiert wird auch das Fachwerk des Turms als solches. Marode Holzpfosten und Riegel werden ausgetauscht und die Gefache der Ständerkonstruktion erneut ausgemauert, wobei möglichst viele alte Ziegel wiederverwendet werden sollen. Wie es um das Dach des Turms bestellt ist, lässt sich derzeit noch nicht mit Sicherheit sagen. Dieser Gebäudeteil lässt sich nur über das Gerüst begutachten. Matthias Wieck schätzt, dass einige Eckstiele ausgetauscht werden müssen, weil sie unter Feuchtigkeit gelitten haben. "Ganz genau wissen wir natürlich nicht, was uns erwartet", sagte er.

Auch das mit Schiefer gedeckte Dach und die Turmspitze mitsamt der Wetterfahne und dem sogenannten Kaiserstiel, der die Bekrönung letztlich trägt, bedürfen komplett der Sanierung. Das Mauerwerk der Feldsteinfassade wird dagegen nur an vereinzelten Stellen ausgebessert.

Doch damit nicht genug. Als vor vielen Jahren schon einmal das Dach des Kirchenschiffs erneuert wurde, verzichtete man darauf, auch den damals bereits schadhaften Sparren zum Ziergiebel am Chorraum auszutauschen. Laut Wieck ist das Holz inzwischen so stark von Braunfäule durchsetzt, dass es dringend ausgetauscht werden muss. Aus diesem Grunde sei es erforderlich, einen Teil des Daches erneut abzudecken, um an die schadhaften Stellen zu gelangen.

Alles in allem sind sieben Gewerke an der Turmsanierung beteiligt. Die geschätzten Gesamtkosten belaufen sich nach Auskunft von Pfarrer Albrecht Preisler auf 213 500 Euro. Das Gros wird aus Mitteln des Staatskirchenvertrag finanziert, doch beteiligen sich auch Landeskirche, Kirchenkreis und die örtliche Kirchgemeinde an den Sanierungskosten. Letztere hat erkleckliche 55 000 Euro durch Spenden zusammenbekommen. In der nächsten Woche soll mit den Bauarbeiten begonnen werden. (Von Dorothea von Dahlen)

Märkische Allgemeine vom 24. Mai 2012

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