Neuer Turm wächst am Fuße der alten Kirche

Bauarbeiten am katholischen Wittenberger Gotteshaus haben begonnen

WITTENBERGE - Die Späne fliegen, wenn Gordon Rausch und Stephan Schwarzenstein Klopfholz und Stemmeisen schwingen. Die beiden Mitarbeiter der Firma Gadow und Rose behauen das Holz für den künftigen Turm der katholischen Kirche in Wittenberge.

Zunächst fertigen sie den Schwellenkranz, der später die gesamte Turmkonstruktion halten soll. "Dafür verwenden wir Eichenholz, für die restliche Turmkonstruktion kommt Kiefernholz zum Einsatz", berichtet Vorarbeiter Gorden Rausch. Arbeiten werden komplett am Boden, auf dem Hof der Kirche, ausgeführt. Erst wenn der Turm fertiggestellt sein wird, soll er mit Hilfe eines Krans in über 20 Meter Höhe gehoben werden, wo er seine Endposition erreichen wird: 18 Meter hoch soll die Konstruktion werden. Hinzu kommen noch 3,50 Meter für die Turmbekrönung, so dass die Kirche nach Abschluss der Arbeiten 42 Meter in die Höhe ragen wird. Die Bekrönung mit Kugel und Kreuz wird laut Günther Mikolasch, dem Vorsitzenden des Fördervereins zum Wiederaufbau des Kirchturms, vergoldet. Bisherige Schätzungen gehen davon aus, dass die Konstruktion 18 Tonnen wiegt, wenn sie auf den Turmstumpf gehoben wird. Zuvor kommen noch die Maurer der Firma Sawitzki und Taute zum Einsatz. Sie sollen das Dach vom Turmstumpf entfernen, eventuelle Schäden ausbessern und die sogenannten Filialtürme vier an der Zahl aufmauern. Diese kleineren Aufbauten umkränzen den eigentlichen Turm.

Zahlreiche Freunde und Förderer haben sich seit 2006 für den Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kirchturms eingesetzt. Prominente Fürsprecher waren unter anderem Schauspieler Udo Schenk und Kammersänger Heiko Reissig. Bei allen Aktivitäten kamen bisher 102 000 Euro zusammen. "Eine Zuwendung gibt es auch vom Bonifaziuswerk der katholischen Kirche sowie vom brandenburgischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur", sagte Günther Mikolasch. Alles in allem veranschlagt der Förderverein rund 150 000 Euro für den Wiederaufbau des Turms. Dass die beträchtliche Summe in der doch relativ kurzen Zeit zusammengekommen ist, kann Günther Mikolasch nur mit "Gottes Hilfe" erklären. "Von Jahr zu Jahr hat sich die Spendensumme verdoppelt", erinnert er sich. "Am Ende des Jahres 2010 hatten wir noch knapp 46 000 Euro, und jetzt sind es über hunderttausend." Für das hehre Ziel gespendet haben nicht nur ehemalige Wittenberger, sondern Menschen aus ganz Deutschland, unabhängig von ihrem Glauben. Sogar aus Österreich kamen Zuwendungen, die den Wittenbergern bei ihrem anspruchsvollen Vorhaben halfen.

Zwar folgt der wiederentstehende Turm den originalen Vorlagen, doch reichen Spenden und Zuwendungen nicht, um eine Turmuhr mit vier Zifferblättern anzuschaffen. "Zunächst einmal wird die Uhr daher ein Zifferblatt erhalten, das aus Richtung Markt und Bahnstraße zu sehen sein wird", erläutert der Fördervereinsvorsitzende. Allerdings sind die Pläne so gestaltet, dass die Uhr ohne großen Aufwand mit weiteren Zifferblättern nachgerüstet werden kann.

Zwar ist es wohl nicht üblich, einen Kirchturm zu weihen, aber mit einem Turmfest wollen die Fördervereins- und Gemeindemitglieder den Wiederaufbau gern feiern. Wenn alles klappt und Gott will, könnte dieses Ereignis im September begangen werden im Schatten des neuen Turms, versteht sich. (Von Andreas König, Die)

Märkische Allgemeine vom 31. Mai 2012

   Zur Artikelübersicht