Das i-Tüpfelchen von Barsdorf

Barsdorf (MZV) Kunstliebhaber müssen nicht in die Ferne schweifen, um Werke bekannter Künstler zu bestaunen. Quasi direkt vor der Haustür befindet sich eine Plastik, die beinahe in Vergessenheit geraten ist: das Altar-Kruzifix der Barsdorfer Kirche.

 
Etwas ganz besonderes: Das Altarkreuz der Barsdorfer Kirche stammt von Ernst Rietschel.
© Pilz

Das Werk hat es in sich: Der im 19. Jahrhundert weltweit geschätzte und renommierten Bildhauer Ernst Rietschel (1804 bis 1861) schuf das Original dieser Bronze-Plastik, von der es nur vier Abgüsse geben soll. Von Rietschel stammt unter anderem auch das berühmte Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar.

Pfarrer Christian Albroscheit wurde dieser bemerkenswerte Umstand kürzlich wieder ins Gedächtnis gerufen, wie er der Mark-Online bestätigte. Ein Arzt aus Remscheid (Nordrhein-Westfalen) hatte am Dienstag, 5. Juni, Barsdorf und seiner Kirche einen Besuch abgestattet. Nicht ohne Grund: Dr. Martin Rietschel ist Ururenkel des berühmten Bildhauers, wie er sagte. "Voller Freude und nicht ohne Stolz betrachteten sie das große Kruzifix mit der trauernden Maria Magdalena", berichtet Albroscheit, der die Besucher begleitete.

"Man muss dazu sagen, dass das Kunstwerk schon seit 1882 als Aufsatz des Altars in der Barsdorfer Kirche steht", so der Pfarrer. Bemerkenswert dabei: Nicht einmal die Kirchenchronik weist auf die Besonderheit und den künstlerischen Wert des Kruzifix hin. "Und es befindet sich ja auch kein Hinweis in der Kirche, dass das Kreuz von Ernst Rietschel geschaffen wurde", merkt Albroscheit an.

Er persönlich sei von dem Qualzower Horst-Peter Wolf auf den wertvollen Altaraufsatz aufmerksam gemacht worden. "Der hat mal ein Buch veröffentlicht, das den Titel trägt ,Skizze einer Geschichte – Barsdorf bis zum Ende der DDR‘", erläutert Albroscheit.

Märkische Oderzeitung vom 12. Juni 2012

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