Eine Feier für den Turm

In einem Gottesdienst nahmen Giesensdorfer ihre Kirche wieder in Betrieb

GIESENSDORF - Mit dem Gottesdienst am gestrigen Nachmittag nahm Pfarrer Michael Dürschlag nach den Sanierungsarbeiten den Kirchturm der Kirche in Giesensdorf (Stadt Pritzwalk) wieder "in Betrieb": "Denn in der protestantischen Kirche wird nichts geweiht, was nicht lebt", sagte er. Gemeinsam mit jungen und alten Gemeindemitgliedern freute er sich, dass dieses Stück Arbeit gelungen ist: Immerhin hat die Kirchengemeinde die 220 000 Euro für die umfangreichen Bauarbeiten ohne Fördermittel aufgebracht. Eines der wichtigsten Ziele dabei war der neue Dachreiter, der im August vergangenen Jahres aufgesetzt wurde. Der originale Dachreiter musste 1960 nach einem Blitzschlag entfernt werden. Im Oktober wurden dann die neue Turmzier montiert.

In seiner Predigt ging Pfarrer Dürschlag auch auf die "Theologie des Kirchturmes" ein. Dieser sei ein sichtbares Zeichen dafür, dass hier Christen leben. "Kirchtürme sind Einladungen Gottes", so der Pfarrer. Bekrönt wird der Turm zuerst vom Kreuz, dann folgt die Fahne. "Damit die Gemeinde sehen kann, woher der Wind weht", erklärte Dürschlag. Manchmal habe die Gemeinde Rückenwind, manchmal blase ihr der Wind mächtig ins Gesicht. Dass die Fahne unter dem Kreuz steht, zeige aber: "Gott trägt uns durch die Zeiten des Gegenwindes." Die reparierte Turmuhr zeige, dass die Zeit der Menschen begrenzt sei, die Glocken im Turm rufen zum Gebet. Dürschlag verglich Kirche und Gemeinde ein "Gebäude mit lebendigen Steinen" mit "Bergungsräumen".

Zum gestrigen Gottesdienst hatte sich auch Pritzwalks Bürgermeister Wolfgang Brockmann eingefunden. Nach der Andacht trafen sich die Gemeindemitglieder neben der schmucken Kirche an der Kaffeetafel zum Plauschen. (Von Beate Vogel)

Märkische Allgemeine vom 18. Juni 2012

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