Barocke Bretter unterm Hobel

Musizierende Engel von Berlitt werden restauriert und sind bald wieder an der Decke in der Kirche zu sehen

BERLITT - Die musizierenden Engel von Berlitt bekommen eine Schönheitskur. Bereits seit Ostern ist Tischler Andreas Linke aus Potsdam dabei, die Bretter der alten Kirchendecke wieder herzurichten, damit sie später sichtbar eingebaut werden können.

Die alten Bretter mit den Engeln und der Christusdarstellung lagen viele Jahre im Verborgenen und wurden erst 2003 bei der Sanierung des Gotteshauses entdeckt (MAZ berichtete). Damals hatte man im Ort nicht im Traum daran gedacht, dass die Decke jemals wieder zu sehen sein wird. Nun wird der Traum wahr. Die Kirchengemeinde lässt die barocke Holzbalkendecke restaurieren.

Andreas Linke kümmert sich derzeit um Wurmfraß- und Feuchtigkeitsschäden. Außerdem beseitigt er die normalen Holzschäden wie Brüche. "Ich erhalte, was zu erhalten ist", so der Tischler. Nur im Notfall werde ausgetauscht. Gestern passte er die Oberfläche der eingesetzten Teile mit einem Schrubbhobel an. Der Hobel macht eine unebene Fläche, wie auf den Originalen. Auch Nut und Feder müssen später beim Einbau zusammenpassen. Dafür sorgt Linke.

Apropos Einbau: Den hält der Tischler für ein Abenteuer. "Wir wissen noch nicht, was uns erwartet, schließlich lag die Decke 100 Jahre nicht an ihrem Platz", so Linke. Er hat bereits festgestellt, dass die Deckenbalken unterschiedliche Höhen haben. Außerdem sei zwischenzeitlich der Dachstuhl saniert worden, was ebenfalls eine Höhenveränderung ausmacht. Ab dem 23. Juli wird sich zeigen, ob alles noch passt. Dann wird die Decke eingebaut. Zu sehen ist sie danach noch nicht. Erst müssen die alten Balken, die jetzt die Decke bilden, entfernt werden. Sie kommen als Schutz von oben wieder auf die restaurierten Engel. "Wir kehren das Ganze einmal um", so Linke.

Er arbeitet nicht allein auf dem Dachboden der Kirche. Auch Rocio Peinado Metsch ist dort am Werk. Die freiberufliche Restauratorin befestigt die originale Bemalung, retuschiert, wo es sein muss, und ergänzt. "Die Medaillons sind relativ gut erhalten", sagt sie. Manche der blauen Akanthusranken muss sie teilweise neu malen. Das geschieht mit abwaschbaren Wasserfarben. "Damit man das Originale immer wieder sichtbar machen kann", so die Restauratorin. Die letzten Pinselstriche die Schlussretusche muss sie vom Gerüst, das ab dem 23. Juli in der Kirche aufgebaut sein wird, über Kopf machen. Dann entstehen zum Beispiel die Wandabschlüsse. Einweihung soll am 31. Oktober gefeiert werden. (Von Sandra Bels)

Märkische Allgemeine vom 22. Juni 2012

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