Fäule, Bock und Gift

Zellendorfs Kirche ist eingerüstet und bekommt vor allem ein neues Gebälk

ZELLENDORF - Am Anfang war ein Riss. Im Altarraum der Zellendorfer Kirche war etwas Putz abgebröckelt. "Da dachte man noch, das könnte man einfach reparieren", berichtet Pfarrer Michael Heimann. Doch es war eben nur der Anfang vor drei Jahren. Auf der Suche nach der Ursache wurde bald klar: Die einzige reine Fachwerkkirche im Jüterboger Land muss dringend und umfassend saniert werden. Nun ist sie eingerüstet und für Besucher gesperrt.

"Das Fachwerk hat sich an vielen Stellen gesetzt", erklärt Heimann und holt zur Hilfe ein Gutachten des Statik-Büros Seemann aus der großen schwarzen Arbeitstasche. "An den Schwellen zeigen sich starke Schäden durch Braunfäule", heißt es unter anderem darin. Die untersten Querbalken des Fachwerks sind durch angestaute Nässe modrig und gaben unter der Mauerlast bereits etwas nach. Es bildeten sich Risse, Fugen bröckelten heraus und an einigen Stellen sind die Gefachfelder schon recht lose.

Doch nicht nur unten, sondern auch oben im Dach ist das Holz marode. "Einige Deckenbalken sind kaputt und die Decke hing etwas durch", sagt der Pfarrer, der noch vor kurzem darunter Gottesdienste abhielt. Folgen hatte die geschwächte Balkenkonstruktion auch für den kleinen Turm. "Er hatte sich um 17 Zentimeter abgesenkt", so Heimann weiter, "bis jetzt konnte er wieder um zwölf Zentimeter begradigt werden." Der Turm selbst braucht auch einige neue Balken, die stark verfault waren. Seine Holzverschalung, die wahrscheinlich aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts stammt, muss erneuert werden.

Gleiches gilt für die Dachziegel. "Die Zementziegel kommen runter und neue Biberschwänze rauf", sagt Heimann. Nur die Schieferabdeckung des Turms kann bleiben. Sie stammt aus den 1990er Jahren. Turm, Dach und Innendecke das ist der erste Bauabschnitt, der bis September dieses Jahres geschafft werden soll.

Die Handwerker sind seit wenigen Wochen im Gotteshaus aktiv. Sie tragen Ganzkörper-Anzüge und Atemschutzmasken. Denn nicht nur wegen der üblichen Verletzungsgefahr auf einer Baustelle ist die Kirche nun für Besucher gesperrt, sondern auch wegen sehr giftigen Staubes. Die Gutachter hatten festgestellt, dass die Deckenbalken vor einigen Jahrzehnten vom Holzbock befallen waren. Die Plage wurde damals bekämpft mit einem "chemischen Holzschutz in extrem hoher Konzentration". Dieses Mittel findet sich sowohl im Holz als auch im Staub wieder, der sich mit der Zeit angesammelt hat. Vor Baubeginn habe aber keine Gesundheitsgefahr für Kirchgänger bestanden, sagt Heimann. "Die Decke war verschalt, daher gab es im Innern der Kirche keine Belastung."

Die Sanierung kostet 130 000 Euro, die sich Land Brandenburg und Evangelische Kirche laut Staatskirchenvertrag teilen. Eine fünfstellige Summe kam auch über Spenden der Sparkasse, der Agrargesellschaft Oehnaland und des Förderkreises Alte Kirchen zusammen. Die Kosten für den zweiten Bauabschnitt sind ähnlich hoch. Er soll sich zeitnah anschließen. Dann werden das Fachwerk und die Mauern samt Fenster erneuert.

Der Sanierungsantrag sei außergewöhnlich schnell beschieden worden, sagt Heimann, der zwölf Kirchen in seinem Pfarrsprengel betreut. Große Sorgenkinder darunter habe er nicht. "Aber es ist überall etwas zu machen." (Von Alexander Engels)

Märkische Allgemeine vom 22. Juni 2012

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