Mit Gottvertrauen neuen Dörrwalder Kirchturm erbaut

Vollbrachtes Werk mit vielen Helfern gefeiert

Mit einem Festgottesdienst und einem fröhlichen Volksfest hat die vereinte Evangelische Kirchengemeinde Bückgen, Dörrwalde und Großräschen am Wochenende ein schwer vollbrachtes Werk gefeiert: Dank engagierter Christen, toller Handwerker und Helfer ist der im Jahr 1974 eingestürzte Turm der Dörrwalder Kirche (Dorfkirche des Monats Mai 2010) unter großen Mühen wieder auferstanden und erstrahlt in neuem Glanz.

  
Jahr 2012: der neue Turm der Dörrwalder Kirche.
Foto: Michael Franke/ILE-/Leader-Regionalmanagement
Dezember 1974: der eingestürzte Turm.
Repro: Michael Franke

Dörrwalde. Die frische Fassade des Dörrwalder Kirchturmes leuchtet in der Sonne. Mächtiger als das deutlich schlankere Original steht der neue Turm am Kirchenschiff. Das Gotteshaus ist nunmehr auch von der Ferne von der Bundesstraße 96 als solches nach fast 40 Jahren wieder zu sichten. Das stellt Superintendent Michael Moogk aus Döbern zufrieden fest.

Brigitta Roick, die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates der Evangelischen Kirchengemeinde Bückgen, Dörrwalde und Großräschen strahlt über das ganze Gesicht. Mitglieder der Kirchengemeinde, Dorfbewohner und Gäste bestaunen am Sonnabend erstmals ausgiebig die solide Arbeit der Handwerker. Im Inneren des Turmes riecht es nach frischem Holz. Die geöffneten Fenster weit oben, wo der neue Glockenstuhl bald Platz finden wird, geben die Aussicht auf das mit großen dichten Laubbäumen bestandene Dorf und die Dörrwalder Feldflur frei. Auf der Ebene darunter wird an die abgerissene herrliche Klinkerkirche Bückgen erinnert, die dem Braunkohlebergbau weichen musste. Teile der vielen Türmchen dieses Gotteshauses waren von Kirchenmitgliedern einst noch gesichert worden. Peter Bertram ist dies unter anderem zu verdanken. Die typischen roten Klinker sind ausgestellt. "In Lauta lagern noch weitere Teile der Kirche, die wir später auch zeigen wollen", erzählt Pfarrerin Dorothee Lange-Seifert.

"Die gute Stube", wie Brigitta Roick den Raum darunter liebevoll bezeichnet, lässt gut die Mauern des alten Turmes erkennen. Das schafft eine besondere Atmosphäre. "Der neue Turm ist um die gesicherten Reste der alten Mauern herum gebaut worden", erklärt Brigitta Roick. "Das war eine Auflage der Denkmalpflege", sagt sie weiter. Das Bauwerk habe dies zwar deutlich verteuert. Unter anderem mussten Grundstücke erworben werden. "Aber heute bin ich froh darüber, dass diese Forderung aufgemacht wurde", stellt die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates mit Blick auf die Mauer-Reste aus Feldsteinen sichtlich zufrieden fest. Diese flankieren den historischen Ausgang zum Kirchenschiff. Das alte Sommertor steht schützend vor dessen altehrwürdiger Holztür. "Die Sitzgruppe und den Teppich haben die Familien Marotzke und Schotte gespendet", erzählt Brigitta Roick. Gemütlich macht dies den besonderen Ort der Begegnung. Auch die Neugierigen, die den Kirchturm erkunden, zeigen sich begeistert.

Dieser Festtag zur Kirchturm-Einweihung lässt viel Schweiß und Schmerz der vergangenen zwei Jahre in den Hintergrund treten. Doch vergessen sind die Sorgen und Probleme nicht. Die Seelsorge sei deutlich zu kurz gekommen während der anstrengenden Bauphase, räumt die Pfarrerin ein und bittet dafür um Vergebung. Die Kirchengemeinde sei an dem Werk, "das die Kirchengemeinde deutlich überfordert hat", wie Brigitta Roick bekennt, zeitweise fast zerbrochen. Doch nunmehr vereint sie die Freude über den hart errungenen Erfolg, an dem zuvor auch nicht wenige zweifelten. Das wird in dem gemeinschaftlich sehr schön und bewegend gestalteten Festgottesdienst ebenso deutlich. Doch Schatten wirft der neue "dicke" Kirchturm nun eigentlich nur noch auf das Nachbargrundstück von Renate Kupsch, die sich damit aber zuvor längst einverstanden erklärt hatte.

Vor knapp vier Jahren waren die schrumpfenden Kirchengemeinden Großräschen, Dörrwalde und Bückgen fusioniert. Die Pfarrerin, die sich bereits seit mehr als zwanzig Jahren um die Christen der See-Stadt und seit dem Ruhestand eines Kollegen auch um die beiden zuvor noch eigenständigen Nachbar-Kirchengemeinden kümmert, bestätigt: Ohne den Zusammenschluss wäre der Neuaufbau des Kirchturmes nicht zu schultern gewesen. Etwa 900 Mitglieder zählt die vereinte Kirchengemeinde heute, davon sind 60 Dörrwalder. Aus dem europäischen Fördertopf der ländlichen Entwicklung für die "Energieregion im Lausitzer Seenland", die von Altdöbern bis zum Amt Ruhland reicht, ist Geld beschafft worden.

"Als Fingerzeig gegen die immer zahlreicheren Knallerbsen-Sträucher in Stadt und Land und in der Gesellschaft" ragt der Dörrwalder Kirchturm wieder in den Himmel, sagt Pfarrerin Dorothee Lange-Seifert in ihrer Predigt. Die Kirchengemeinde steht zusammen für die Teschner-Orgel, die im Jahr 2008 für etwa 73 000 Euro umfänglich restauriert worden war, wird die Kollekte gesammelt. In den drei Geld-Körbchen klingelt jeder Cent für die Kirche. Die Restschuld von 1800 Euro für die Orgel will die Gemeinde unbedingt noch in diesem Jahr abtragen. Kräftig gesammelt wird auch für den Glockenstuhl. Dieser wird statt aus teurem Eichenholz aus einem Stahlgerüst errichtet. Ein solches leistet auch gute Dienste in der Dresdener Frauenkirche, sagt die Pfarrerin ein guter Weg also ebenso für Dörrwalde.

Kraft, das nötige Gottvertrauen für Durchhaltevermögen und Zuversicht haben die Kirchengemeinde den Bau vollbringen lassen. Jetzt wird daran gearbeitet, das Geläut des Gotteshauses wieder zum Erklingen zu bringen. Zudem werden die Voraussetzungen für die Radwegenetzkirche Dörrwalde geschaffen als ein lebendiges geistiges und geistliches Zentrum, "in dem Menschen Ruhe, Stille und Frieden finden", so die Pfarrerin.

Zum Thema:

Die Dörrwalder Kirche ist in den Jahren 1766 und 67 als barocker Putzbau errichtet worden. Am 17. Dezember 1974 hat die Feldsteinmauer des 32 Meter hohen Westturmes nachgegeben, sie stürzte ein. Als Ursache des Unglücks gilt der durch den großflächigen Kohleabbau in der Region abgesenkte Grundwasserstand. Der Turm wurde am 18. Januar 1975 abgetragen. Im Jahr 2010 wurde zum 600. Dorfjubiläum damit begonnen, auf dem noch vorhandenen quadratischen Unterbau des alten Turmes den neuen Kirchturm zu errichten. Der Kirchengemeinde ist es gelungen, dafür in den europäischen Fördertopf der ländlichen Entwicklung zu greifen.

Lausitzer Rundschau vom 25. Juni 2012

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