Dahmer Hauptkirche wird entgiftet

Holzschutzmittel verpestet die Luft / Ab Herbst Sanierung des gesperrten Gotteshauses

DAHME An der wegen ihrer Schadstoffbelastung gesperrten Dahmer Hauptkirche St. Marien beginnen im Herbst die Sanierungsarbeiten. Fachleute rechnen mit einer Bauzeit von mehr als einem Jahr.

 
Pfarrer Carsten Rostalsky und seine Gemeinde brauchen noch Geduld bis zum Gottesdienst unterm sanierten Kirchendach.
Foto: Steffen Rasche (LR-COS-REM-102)

Die Geldgeber sind gefunden. "Das war ein hartes Stück Überzeugungsarbeit bei Gesamtkosten von 2,2 Millionen Euro", sagt Dahmes Pfarrer Carsten Rostalsky. In seiner Kirche werden seit einem Jahr keine Gottesdienste mehr gefeiert. Bei Routineuntersuchungen für eine geplante Dachsanierung hatten Experten im Dachgebälk, aber auch in Emporen und Bänken des Kirchenschiffes eine alarmierende Konzentration des giftigen Holzschutzmittels Hylotox entdeckt, wie es zu DDR-Zeiten bevorzugt eingesetzt worden war. Zudem seien Beimischungen weiterer Gifte wie DDT (Dichlor-Diphenyl-Trichlorethan) festgestellt worden, eines Nervengiftes, das als Krebserreger in Verdacht steht, so der Pfarrer. Jetzt kommt Abhilfe. Im Herbst sollen die Sanierungsarbeiten beginnen.

Geld von vielen Seiten

Mit 1,1 Millionen Euro fördert die Europäische Union das Vorhaben aus dem Topf zur Entwicklung des ländlichen Raumes. Weitere 200 000 Euro kommen aus dem Altvermögen der Parteien und Massenorganisationen der DDR. Die Stadt Dahme mit ihrem Altstadtförderprogramm, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Landeskirche und Kirchenkreis sind ebenfalls finanziell im Boot. 30 000 Euro bringt die Kirchengemeinde auf.

Wie Architekt Uwe Mücklausch erklärt, wird die alte Dacheindeckung abgetragen und durch neue, leichtere Tonziegel ersetzt. Abgerissen und neu aufgebaut müsse auch das marode Tonnengewölbe im Kirchenschiff werden. Zu den ersten Aufgaben gehöre die Bekämpfung des Holzschwamms, der die gesamte Mauerkrone komplett befallen habe. "Einen Schwamm solchen Ausmaßes habe ich in 20 Dienstjahren nicht erlebt", sagt Uwe Mücklausch. Die Schadstoffbeseitigung in der Hauptkirche beginne mit Absaug- und Reinigungsarbeiten am Dachgehölz. Für die Entgiftung der Empore mit ihren wertvollen Malereien sowie der Bänke soll ein spezielles Vakuum-Wasch-Verfahren zum Einsatz kommen, kündigt Uwe Mücklausch an. Ursprünglich hatte es Befürchtungen gegeben, Teile der Innenausstattung müssten abgetragen und nachgebaut werden.

Winterkirche muss weichen

Obwohl nicht schadstoffbelastet, steht die Winterkirche vor dem Aus. Die Denkmalpflege drängt auf Rückbau des durch eine Glaswand vom Hauptschiff abgetrennten beheizbaren Raumes. Entwürfe für eine neue Winterkirche liegen vor, doch sei die Umsetzung derzeit nicht finanzierbar, sagt Pfarrer Rostalsky. Not macht erfinderisch. Für größere Gottesdienste arbeitet die Gemeinde mit der Procurand-Seniorenresidenz zusammen. Je nach Bedarf treffen sich die Gemeindemitglieder aber auch im Buchholzer-Häuschen auf dem Kirchengelände mit 30 Plätzen oder im Heinrich-Schütz-Saal, der rund 100 Besucher fasst.

Carmen Berg

Lausitzer Rundschau vom 15. August 2012

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