Gottes Gästehaus wird grundsaniert

Gransee (MZV) Die Finanzierung für die Sanierung der barocken Dorfkirche in Meseberg steht. 777000 Euro kostet das Vorhaben, 485000 Euro schießt jetzt das Landesamt für ländliche Entwicklung dazu. Pfarrer Tobias Ziemann freut sich, dass die dringend notwendigen Arbeiten nun endlich beginnen können.

 
Die Meseberger Kirche wird für 777 000 Euro saniert, ein Schwerpunkt ist der Dachstuhl.
© Gutke

"Vorsicht, es riecht vielleicht etwas nach Zoo", sagt Ziemann und öffnet die Tür zum Dachstuhl. Der Gutengermendorfer Pfarrer hat nicht zu viel versprochen. In der obersten Etage des historischen Baus türmen sich Vogeldreck, Unrat und Schmutz, Hühnerstallgeruch liegt in der Luft. "Mit dem Dachboden fangen wir noch in diesem Jahr an, der Dreck muss raus", so Ziemann.

Der Dachstuhl, der komplett ausgetauscht werden muss, ist nur eine Baustelle von vielen in der Meseberger Dorfkirche. In den Balken steckt der Schwamm, in der Decke tun sich Risse auf, und im Mauerwerk hat sich Feuchtigkeit festgesetzt. Auch das größtenteils aus der Mitte des 18.Jahrhunderts stammende Interieur samt barocker Kanzel muss dringend restauriert werden.

Es wird. Vor ein paar Tagen flatterte Tobias Ziemann der erhoffte Fördermittelbescheid in den Briefkasten. Aus dem Programm Integrierte ländliche Entwicklung (ILE) werden fast zwei Drittel der für die Sanierung veranschlagten Summe in das Vorhaben fließen. Den Rest tragen die Kirchengemeinde, der Kirchenkreis, Stiftungen und die Landeskirche. Darüber hinaus kamen bis heute auch 20 Paten zusammen, die etwa mit einer Spende von 10 Euro 20Dachziegel finanzieren. Die Patenaktion hatte Tobias Ziemann vor einem Jahr zum Erhalt der Kirche ins Leben gerufen. "Ich hätte mir einige Paten mehr gewünscht, aber jede Spende hilft."

Die Grundmauern des Gebäudes stammen noch aus dem Mittelalter. Ihre grundlegende Ausstattung im barocken Stil mit Kanzel und Gestühl erhielt die Kirche Mitte des 18. Jahrhunderts, ebenso den Anbau mit Patronatsloge. 1892 wurde dann der neubarocke Turm im Eingangsbereich gebaut. 120 Jahre später hat auch er eine Generalüberholung nötig.

Dabei ist es nicht so, dass die Meseberger Kirche sonntags aus allen Nähten platzen würde. Wenn dort alle paar Wochen Gottesdienst gefeiert wird, kommen vielleicht 15Gläubige, so Ziehmann. Insgesamt zählt die Meseberger Gemeinde 80 Mitglieder.

Allerdings, und das macht den Bau für den Kirchenkreis so bedeutend, befindet sich die Kirche in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schloss Meseberg, dem Gästehaus der Bundesregierung. Tausende Touristen kommen deshalb jedes Jahr in das kleine Dorf. Doch: "Wer das Bundesgästehaus besucht, findet es meist verschlossen vor. Einer der ersten Anlaufpunkte ist dann oft die Kirche. Deswegen war uns die Sanierung ein besonderes Anliegen", erklärt Uwe Simon, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Oberes Havelland.

Angela Merkel selbst sei noch nicht in der Kirche gewesen, so Tobias Ziemann. Auch Geld schieße das Kanzleramt keines zu. Allerdings habe die Bundesregierung nach einem Schreiben Ziemanns an die Kanzlerin bei der Kontaktaufnahme mit dem Landesamt für Ländliche Entwicklung geholfen.

Die Fördermittel sind an die Jahre 2013 und 2014 gebunden. Allerdings rechnet Ziemann erst für 2015 mit dem Ende der Instandsetzungarbeiten. "Es wird ein echter Kraftakt."

Zu diesem Kraftakt gehört auch ein drei mal 5,50 Meter großes Gemälde aus dem Jahre 1588, das in der Kirche hängt. Das sperrige, aber äußerst seltene Werk zeigt die Familie von Gutsherr Ludwig von der Groeben, gemalt von einem Schüler von Lucas Cranach. Ziemann: "Das kirchliche Bauamt ist darüber im Gespräch mit den Nachkommen der Groebenschen Familie, die eine Stiftung haben. Vielleicht übernehmen sie ja die Restaurierung."

Märkische Oderzeitung vom 22. August 2012

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